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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1869 / 49)

ist, zeugt dies Benehmen von einer Kurzsichtigkeit ohne Gleichen, denn 
nicht nur wird dadurch der Hass des ärmeren Arbeiterstaudes gegen das 
Capital und die Großindustrie gesteigert und gefährlichen socialistischen 
Ideen die Bahn geebnet, die ihre Spitze geradezu gegen die Verleger 
und die sogenannten Grossindustriellen richten, so sind die Folgen dieses 
grassen Egoismus ganz anders als die Vertreter desselben sich ein- 
bilden. Allerdings verhindern sie, dass die Production des Landes besser 
wird, aber sie können nicht verhindern, dass durch fremde Importeure 
fremde bessere Waare eingeführt wird. Und die besseren Arbeiter selbst 
unterwerfen sich ihnen nicht, sondern sie wandern aus, wie es gerade bei 
den Tiroler Holzschnitzern der Fall ist, deren beste Söhne, wie Knabl, 
überall zu finden sind, nur nicht in der Heimatb selbst. Um destomehr 
müssen wir die Art und Weise anerkennen, in der Hr. Anton Baldi in 
Salzburg sich jenen Unternehmungen gegenüber stellt, welche die Förde- 
rung der Holzschnitzkunst in Salzburg zum Zweck haben. 
Wir müssen aber auf zwei Punkte aufmerksam machen. Sollen die 
Bemühungen im Salzburgischen von Erfolg gekrönt sein, so muss erstens 
in der Wahl des Lehrers mit der grössteu Vorsicht vorgegangen werden, 
und man muss sich in den massgebenden Kreisen von den provincialen 
Vorurtheilen befreien, die gerade in der Beziehung sehr mächtig sind. 
Denn die Holzschnitzwaaren, die in Hallein und Salzburg gemacht werden 
sollen, sind nicht für die Salzburger bestimmt, sondern für den Welt- 
markt, und die Subvention der Handelskammer iliesst aus Reichsmitteln 
und nicht aus der Landescasse. Der Lehrer muss den Weltmarkt kennen 
und muss, soll er seiner Aufgabe genügen, gewandt und gebildet sein, 
den Anforderungen des Weltmarktes zu entsprechen. 
Der zweite Punkt betrifft das Verhältniss der Holzindustrie zur 
Kunsttischlerei in den Städten. Es ist eine bekannte Sache, dass die 
Tischlerei in den letzten Zeiten, besonders in Wien, einen kolossalen 
Aufschwung genommen hat. Dem Aufschwungs der Kunsttischlerei in 
Wien und anderen Grossstädten steht aber der Umstand entgegen, dass 
die Schnitzarbeit in denselben zu theuer ist, und daher die Tischler und 
die Bildhauer den zahlreichen Anforderungen der Auftraggeber nachzu- 
kommen nicht in der Lage sind. Was Wien und die Heiztechnik in Wien 
nicht zu leisten im Stande ist, das könnten Salzburg, Hallein, Gmunden 
und die F iechtau leisten, wenn sich die Thiitigkeit der Holzschnitzer auf 
jene Gegenstände richten würde, die Bedürfnisse der Kunsttischlerei sind; 
als da. sind: Rahmen, Füllornamente aller Art, Rücklehnen von Sesseln 
und Sophas u. s. f. Auch würde es ncthwendig sein ausser dem Mobi- 
liare auch die Bedürfnisse des ganzen besseren Hausgerätlles im Auge 
zu behalten. 
Gelingt es für Hallein eine Kraft zu gewinnen, welche all diesen 
Anforderungen entspricht, so sind wir überzeugt, dass die Bemühungen
	        

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