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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1867 / 24)

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welchelfür die Form der Darstellung gleichgiltig ist oder sie nicht zu 
würdigen versteht, der Markt selbst im Innern des Staates mehr und 
mehr beschränkt. 
An Oesterreich tritt daher in Folge dessen die Nothwendigkeit ge- 
bieterisch heran, die Lehren dieser Ausstellung in ähnlicher Weise zu 
benutzen, wie dies England bereits mit günstigem Erfolge gethan. 
Die Beweglickeit und Gewandtheit, welche die meisten Stämme 
unseres vielsprachigen Vaterlandes zieren, lässt diese Aufgabe als eine 
ganz dankbare erscheinen. Mehr denn irgendwo dürfte sich in Oester- 
reich der Satz bewahrheiten, dass ein Staat, in welchem nicht nur Kunst 
und Wissenschaft sich der gebührenden Pdege erfreuen, sondern auch 
die gewerblichen Erzeugnisse von dem Adel der Kunst durcbweht sind, 
sich reiche Einkommensquellen erschliesst, seinen Bürgern behaglichen 
Lebensgenuss und dem Gemeinwesen eine mächtige AnziehungskraR 
sehadt. 
Allerdings haben in Frankreich eine Reihe von Umständen dazu 
beigetragen, ihm, man möchte sagen eine gewisse Virtuosität in der Form- 
behandlung zu erringen. Solche Reibung der Geister, so innige Berüh- 
rung zwischen dem sehaifenslustigen Talente und dem genusssucbenden 
Capitale, wie sie Paris zur Hochschule des Geschmackes machen, lassen 
sich nicht künstlich schaffen; allein gewisse natürliche Bedingungen, wie 
wir sie glücklicherweise besitzen, als gegeben vorausgesetzt, kann die 
kundige Hand des Staatsmannes immerhin Grosses schaffen. 
Als das zwcckdienlichste Mittel, in dieser Richtung Reformen mit 
Erfolg anzubahnen, erscheint die Geschmackspdegc durch die Schule. 
Das Museum hat, wie bereits bemerkt, durch seine Sammlungen an 
Büchern und Kunstwerken, durch seine ausgezeichneten Gypsabgüsse und 
Photographien, durch Ausstellungen und Vorträge sich eine nicht genug 
anzuerkennende Bedeutung errungen; allein zu seiner vollen Wirkung 
genügt es nicht, dass es reiche und schöne Mustersammlungen besitze 
und sie mit anerkennenswertber Liberalitat zugänglich mache, genügt es 
nicht blos, dass Einzelnen das Verständniss des künstlerischen Schaffens 
erschlossen werde, sondern es muss das Verständniss der Bedeutung der 
Form, es muss die Freude an einer gefalligen Darstellung auch in den 
Massen geweckt werden, Sendlinge müssen hinausgehen, welche, selbst 
begeistert für die Kunst und von Liebe erfüllt für das Gewerbe, den 
empfangenen Samen hinaustragen und keine der Formen, in welchen das 
gewerbliche Schaffen sich äussert, für ihr Wirken zu gering erachten - 
eine Kunstgewerbeschule mit Einem Worte ist es, von der allein 
zu erwarten steht, dass unsere Kunst-Industrie durch sie befähigt werde, 
auf dem Welnnarkte erfolgreich zu concurriren. 
Am Sitze eines der bedeutendsten und namhaResten Industriezweige 
Oesterreichs, hielt sich die ehrerhietigst unterfertigte Kammer für berufen,
	        

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