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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1867 / 25)

Wahrlich, kein Land ist bei der henügen Umbildung des Geschmacks für die Kunst- 
industrie in der glücklichen Lage wie Italien, denn keinem bietet seine eigene Vergangen- 
heit so mannigfache und so in jeder Beziehung rnustergiltige Vorbilder. Führt uns doch 
der modernste Geschmack selbst zu den Majoliken zurück, dieser seit dem Aufkommen 
des Porcellnns gänzlich ausgestorbenen Thonfabrication, für welche ebenfalls zwei Jahr- 
hunderte hindurch Italien weitaus das Hauptlnnd der Productinn war. Die Fabrik von 
Doccin hat sich auch, wie ihre Ausstellung beweist, diesen Wink nicht entgehen lassen 
und selbst die schönen Formen der Majolikengefässe auf das Porcellan zu übertragen ge- 
sucht. Italien hat nichts zu thnn, als zwischen dem Guten und Schlechten seiner Kunst- 
traditienen zu unterscheiden, und hier braucht es sich nur vom Urtheil der Geschichte 
leiten zu lassen. In den meisten Zweigen hat es auch. wie wir gesehen haben, diesen 
richtigen Weg betreten, nur in der Flächenornnmentation, in Weberei und Stickerei ist es 
minder glücklich gewesen und lässt sich mehr vom 17. und 18. Jahrhundert leiten, anstatt 
des Gute im 15. und 16. Jahrhundert in der alten Seidenhbrication von Venedig und 
Genus aufzusuchen, js. in iriiheren Zeiten noch in den lucchesischen Seidenstoßen des 13. 
und 14. Jahrhunderts. (W. Z.) 
Die artistische Entwicklung der Tapetenindnstrie. 
(Bericht von der Pariser Weltausstellung.) 
Die Bedeutung, welche die Tapetenfabricaüon in Deutschland gewonnen hat, ihre 
irn stärksten Missverhältnisse stehende Nicbtvertretung auf der Pariser Ausstellung und 
sls Hauptgrund die im Gegensatze zu Frankreich in Deutschland sich entwickelnde stylie 
stische Richtung, die in der Tapete sich nächst den Kirchenstoßen besonders bemerkbar 
macht, möge es rechtfertigen, die Bestrebungen der Kunst auf diesem Gebiete näher zu 
beleuchten. 
Recapituliren wir kurz die Geschichte der Papiertapete, so sehen wir, dass sie in 
Europa mit der Entwicklung der Papierfnbrication und der Maschinen eng verknüpft ist, 
mithin n-rst in unserem Jahrhunderte ihre grössere Verbreitung fand. Ausser der chinesi- 
schen und japanesischen Papierdecoration haben wir daher kein directes Vorbild, welches 
iiber 100 Jahre alt ist; es sei denn, dass wir die im 1G. und 17. Jahrhundert bedruckten 
und bemalten Ledettapeten anfiihrten. 
Was die erste Hälfte unseres Jahrhunderts geschaffen hat, besitzt höchstens histo- l 
rischen Werth, um die Mängel und Fortschritte der Modeltechnik und die erschreckende 
Tiefe des Kunstverfalles zu documeutiren. Wir haben auch noch von keinem Curiositätem, 
geschweige Kunstsammler gehört, der es der Mühe werth hielt, diesen Wust von Mustern 
zu sammeln, eben weil derselbe jeglicher Kunst bar ist. Wir wissen nur drei schöne Pa- 
piertapetenmuster zu nennen, die vor 1850 ausserhalb der Handelsindustrie speciell für 
das königliche Museum und fiir einige Palais in Berlin nach Compositionen Schinkels ge- 
druckt wurden. Damals smnden die Architekten der Industrie ferner wie heute und sind 
es aueh nur Ausnahmen, die keinen Einiiuss ausiibten, da die Bestrebungen dieses grossen 
Meisters von seiner Schule nicht mit Gliick fortgesetzt wurden. Erst als von 1850 an die 
Architekten sich wieder mehr mit der inneren Decoration befassten, alte Schlösser restau- 
rirten etc., wurde in Berlin und Köln eine grössere Anzahl stylistischer Muster theils nach 
neuen Compositionen, theils nach alten Stoßen ausgeführt. 
In Berlin hatten Gropius, Bötticher und Strack die Tspetenhandlung von Hilde- 
brsndt und Rommel animirt, griechische Ornamente, besonders Borten zu liefern. Die- 
selben wurden bei Defosse und Karth in Paris in glinzendster Weise gedruckt und sind 
heute noch in der Mode. In Köln wurde bei Gelegenheit der Decoration des Giinenich- 
Saales ein gothisches Muster von Welter componirt und nebst einer grösseren Anzahl 
Muster der ehemaligen Bockhchen Stoifsammlung bei Flnmmersheirn gedruckt. Die Er- 
folge dieser Muster und die gesteigerte Nachfrage der Architekten erleichtern ungemein 
die Einführung der stylistischen Muster und so sehen wir von verschiedenen Fabrikanten, 
wie Schiitz in Wurzen, Engelhnrdt und Derplin in Mannheim, Flammersheim in Köln, 
Lieck in Aachen, Brackehusch und Hirting in Hannover, ferner Spörlin und Zimmermann, 
Knepper und Schmidt, Melcher in Wien, Siebnrger in Prag, viele Muster (circa 300 jähr- 
lich) erscheinen, die nllmälig die naturalistischen Muster verdrängen. Von allen diesen 
Fabrikanten haben nur Spörlin und Zimmermann in Wien und Härting aus Hannover in 
Paris ausgestellt. Selbst Spanien, ja Russland ist besser vertreten wie Deutschland, wel- 
ches an Bedeutung auf diesem Felde England gleichkommt. 
Der Grund ist leider nicht zur Ehre unserer deutschen Fabricstiou folgender:
	        

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