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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1867 / 26)

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nommen. die in Oesterreich sehr selten vorkommen und wie die Lyoner Drucke, die von 
Tor)". Estienne und anderen berühmten französischen Typographen der Renaissancezeit 
als Vorbilder für Graveure, Schriftenmaler, Kunstbuehdrucker einen eminenteu Werth haben. 
Diese in ihrer Art einzige Sammlung wurde, nach Einvernehmen von Fachknndigen, vom 
österr. Museum erworben. Um dieselbe weiteren Kreisen leicht zugänglich zu machen, 
werden jetzt Versuche gemacht, dieselben auf photographischen: Wege zu reproduciren. 
[Unterstützung der Gewrrhesnhulen Wiens durch Zelrhrnvorlazen.) 
Die Arbeiter-Ausstellung, welche im Laufe dieses Sommers stattfand. gab sowohl dem lei- 
tenden Comite derselben, als der n. ö. Handels- und Gewerhekamrner Veranlassung, jene 
Privatzeichenschulen, welche sich besonders auszeichneten, sowie die Knahenbeschiiftigungs- 
anstaltgin der Leopoldstadt mit Zeichenvorlagen zu versehen. In die Reihe der Privat- 
Zeichenschulen gehören die Schule für Tischler des Herrn Ludwig, die Zeicbenschule 
für Bauhandwerker des Herrn Miirtens und die Gewerbeschule in der Leopoldstadt. Die 
Auswahl der Zeichenvorlagen wurde dem Director das österr. Museums überlassen, welche 
derselbe im Einvernehmen mit den Leitern der genannten Schulen vornehm. 
(Vorlesungen im Museum.) Donnerstag am 31. October wurden die Vorlesungen 
im österreichischen Museum mit dem Jahresberichte des Directors R. v. Eitelherger 
eröffnet. Der Bericht constatirte die Thatsarhe, dass Oesterreich gewiss insofern in einer 
aufsteigenden Bewegung begriffen sei, als der Werth der künstlerisch gebildeten Arbeit 
nach den Resultaten der Pariser Ausstellung in allen Kreisen Eingang gefunden habe und 
der Drang nach erhöhter Bildung sich überall geltend mache. Die Reorganisation der 
Gewerbeschulen. die beginnende Bewegung für Förderung der Frauenarbeit. die Arbeiter 
ausstellung wurden vorzüglich betont, aber auch hervorgehoben, wie es mehr als je 
nothwendig sei, dass eine ordnende Hand, geleitet von richtigem pädagogischem Tscte, in 
das gesammte Mittelschulwesen eingreife und insbesondere die Schulen der Kronllinder in's 
Auge gefasst werden. Speciell wurde die Nnthwendigkeit der Reform der Kunstakademie 
in Prag", Graz und Krakau, der Errichtung einer Schule üir die Porcellan- und Thun- 
industrie in Deutsch-Böhmen, einer Schule tiir l-lolzplastik in Tyrol betont. 
Darauf ging der Vortragende auf die Ankäufe und Erwerbungen des Museums in 
Paris ein und verweilte speciell bei den jüngsten Allerh. Entschliessungen, die eine be- 
schleunigte Inangrilfnahme des dringend nöthigen Museums-Neubaues anordneten und das 
Statut der Kunstgewerheschula sanctienirten. 
Die zweite Vorlesung des Directors v. Eitelberger behandelte vor einem 
ausserordentlich zahlreichen Publicum die Frage des realistischen Knnstprin- 
cips. Der Sieg dieses Principes auf dem Gebiete der Malerei ist eine Thatsaehe, welche 
die Pariser Ausstellung constatirt hat. Erklären lässt sich diese Erscheinung, meint der 
Redner, aus mehrfachen Gründen: der Kampf gegen das antikisirend-akademische und das 
neudeutsch-romantische Kunstprineip - beide ruhen auf idealistischen Grundlagen - 
dauert schon lange in der Malerei. Was die Gegner dieser Principe anstreben: Leben, 
Wahrheit, Colorit, das ist dasjenige, was die heutigen Realisten wollen. Die moderne Ge- 
sellschaft kommt ausserdem mit ihren Knnstbediirfniusen den Realisten entgegen. Die 
„moralische Temperatur" der modernen Pariser Gesellschaft, um einen Ausdruck des fran- 
zösischen Aesthetikers Taine zu gebrauchen, entspricht nicht minder dem Zuge der Kunst 
nach realer Wahrheit. Unter der Herrschaft dieses Principes ist die grosse Historien- 
malerei fast verschwunden, die Generation von Künstlern, wie lngres, Delaroche Ary 
Scheder. Das Gesündsste, was die moderne französische Malerei hervorruft, sind die 
Bauernxnaler, ein Breton, Millet, die Landschafter, wie Daubigny, Ronsseau, Cortot etc. 
Der Vortragende erörterte dann die kunsthistorischen Grundlagen des modernen realisti- 
schen Principes vom Standpunkte der Kunstgeschichte und sagte. dass es bei jenen Auf- 
gaben Halt mache, wo es sich nicht blos uns Wahrheit, sondern auch um Schönheit handelt. 
(Aus dem Besitze der einem. k. k. Porzellanfabrlk) gingen in das Eigen- 
thum des Museums eine Reihe von Gypsformen meist nach Antiken (Büsten und Statuetten) 
über. Zugleich werden dem Museum vom h. Finanzministerium mehrere Blumsngemlilde 
und eine grössere Vase zur Verwahrung übergeben werden. 
[Neu ausgestellte Gegenstände.) Am I6. Ocwber: Das für das ungarische 
National-Museum in Pest bestimmte lebensgrosse Porträt Ihrer Majestät der 
Kaiserin Elisabeth, gemalt von A. Wagner (ein Poster von Geburt und gegen- 
wärtig Professor an der Münchner Kunstakademie); ferner: Aluminiumleuchter, ein mit 
Perlxnutter eingelegter Tisch aus Cochinchina, Guipuremuster von Henry in Paris, tür- 
kische Thongefiisse, Girault's Sammlung von Monegrammen und lnitialen, siimmtlich 
angekauft auf der Pariser Ausstellung; Zeichnungen der Villa Epstein in Baden vom Ar- 
chitekten C. O. Wagner; eine neue Serie Düreischer Kupferstiche aus dem Besitze des 
Fürsten Kinsky, und orientalische Stotimuster.
	        

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