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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1867 / 26)

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reichere Formen der kleineren Trinkgefasse vor ihren Nachfolgern im 
19. Jahrhundert höchst vortheilhaft aus und eine Sammlung von ihnen 
ist somit noch immer geeignet, einen grossen Nutzen zu stiften. 
Dürfen diese älteren böhmischen Gläser ihrer Formen wegen nicht 
übersehen werden, so noch weniger wegen der eingeschliffenen Oma- 
meute, die, noch vielfach trefflich inder Zeichnung, zumeist ganz vor- 
züglich, ja mustergiltig in der Ausführung sind. Auch hierin erkennen 
wir noch die Nachwirkung der ächten Krystsllgefisse, deren Fabrication 
einst in Böhmen heimisch wer. Die heutigen böhmischen Gläser leisten 
durchgängig in der Feinheit und Vollendung der eingeschlifienen Verzie- 
rungen, von Zeichnung gar nicht zu reden, durchaus nicht dasjenige, was 
ihre Vorgänger vor hundert und fünfzig Jahren; sie legen, leider auch 
bei Vernachlässigung der Formen, mehr Werth auf das farbig durch- 
scheinende Glas und auf porcellanartige Bemalungen nach den verwerf- 
lichen französischen Mustern. 
Nur das englische Glas fangt auch in dieser Beziehung an wieder 
mustergiltig zu werden, und die gleichmässige Masse dessen, was von 
dieser Axt zu Paris ausgestellt war, zeigt die industrielle Bedeutung, 
welche diese Ornamentationsweise wieder gewonnen hat. Ihr ist durch 
moderne Wissenschaft eine andere zur Seite getreten, welche nur tech- 
nisch verschieden, ästhetisch dieselbe Wirkung macht, das ist die Aetzung. 
Die Formen für die so verzierten Gefasse suchen die Engländer durch- 
weg elegant und zierlich im Stil der griechischen oder der Renaissance- 
gefasse zu halten. Daneben haben sie aber noch eine zweite durchaus 
verschiedene ornamentale Behandlungsart ihres Krystallglases. Dieselbe 
gründet sivh auf das ausserordentliche prismatische Farbenspiel ihres 
Krystallglases bei krystallinischer Schleifung und sie gestalten deshalb 
die ganze Oberliitche der Gefasse wie mit Diamanten oder Prismen be- 
setzt. Diese Art, die allerdings etwas schwerere Formen voraussetzt, ist 
nicht minder bedeutungsvoll als die erste. Das österreichische Museum 
musste daher darauf Bedacht nehmen, von diesen tonangebenden eng- 
lischen Glasarbeiten mustergiltige Beispiele zu erwerben, und so finden 
wir denn eine Reihe eingesehliHener, geätzter, diamantirter Gläser, Fla- 
schen, Kannen, Trinkgefasse von verschiedener Form und Bestimmung, 
die meistens aus der Fabrik von J. Green herstammen. 
Damit wären, was Gefasse und Geräthe betrißt, die Hauptarten an- 
gegeben, aus denen die Sammlung besteht; zur geschichtlichen oder tech- 
nischen Ergänzung der Glasindustrie dienen aber noch eine grosse Anzahl 
anderer verschiedenartiger Arbeiten, z. B. orientalische Gläser mit Email- 
farhen, darunter ein paar höchst ausgezeichnete Stücke, die, aus dem Zeit- 
alter der Kreuzzüge stammend, dem Kirschenschatz von St. Stephan ge- 
hören; das Museum besitzt eine neue französische Imitation dieser Glas- 
arbeiten, sowie einige moderne russische Gefasse ähnlicher Art. Sodann
	        

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