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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe III (1867 / 27)

zu denken, in welchem diese Vasen nicht mit ihrem blassen Rosa die Harmonie zerstören 
würden. Alle Kunst und Geschicklichkeit kann hier decorativ - und das ist der allein 
richtige Standpunkt - das nicht erreichen, was die italienischen Majoliken mit ihrem 
satten Colorit trotz der handwerksmässigen Malerei leisten. 
Schlimmer noch steht es mit jenen bemalten Gefiissen, bei denen durch stumpfe, 
deckende und noch dazu grell zusammengestellte Farben das Durchsichtige und Durch- 
scheinende des Glases vollständig getödtet ist, das Glas hat künstlerisch aufgehört zu sein, 
was es ist, um schnöden Putzes willen. Auch jene zweifarbigen Geßsse aus Ueberfang- 
glas, bei denen die Ornamentation durch Herausscbleifen der oberen Schichte entsteht, 
sind tadelnswiirdig, weil die Farben zu hart aufeinander stossen und der Blick, anstatt 
der Hauptform zu folgen, nur die Linien des Ornamentes beachtet, welche die Form 
zerschneiden. Was sollen wir aber von dem sogenannten Eisglas sagen, das sich absicht- 
lich bemüht alle eigenthümlichen Reize des Glases geradezu zunichte zu machen, oder 
dem marmorartigen Glase, das eine falsche Imitation verfolgt! Solche Decorationsweisen 
haben kein Recht mitznsprechen, wo von Kunst in der Industrie die Rede ist. Mehr Recht 
zur Existenz haben die grünen bemalten Gläser in Art der deutschen Hurnpen der Re- 
naissanceperiude. Wir verwerfen dies Genre nicht, weil es sich in den Grenzen der De- 
coration hält, aber es muss einerseits den antiquarischen Standpunkt der Nachahmung 
verlassen, andererseits mit feinerem Gefühl behandelt werden, denn die modernen Nach- 
bildungen sind alle zu grell und zumal das Grün nicht milde und gebrochen genug. 
Alle diese Ornamentationsweisen sehen aber stark nach der kanzösischsn Novitäten- 
hascherei aus. Am wichtigsten ohne Zweifel ist das gefärbte Krystallglas, das auch der 
österreichisch-böhmischen Ausstellung in Paris den Hauptcharakterzug gibt. Aber gerade 
hierin tritt leider auch der roheste Geschmack zu Tage und macht den Anblick des östere 
reichischen Glases auf der Weltausstellung zum grössten Theil fast unerträglich. Soll dieser 
Industriezweig Bedeutung erhalten, ja will er nur das Leben fristen, so ist es ganz selbst- 
verständlich, dass er im Sinne der englischen Reform, was die Ornamente und die For- 
men betriEt, umgewandelt werden muss. Wir wollen hoEen, dass sich rechtzeitig diese 
Einsicht Bahn bricht. 
Man sieht, die österreichische Glasfabrication hat noch viel zu bedenken und zu 
thun, um sich mit den vermehrten und verfeinerten Anforderungen der Gegenwart abzu- 
iinden, Noch ist sie in der einigermassen günstigen Lage, dass das vulgus profanum auf 
dem gleichen Standpunkt des Geschmackes steht wie sie selber. Aber der Geschmack ist 
in der Wandlung befindlich und wird auch die Menge der Cousumenten ergreifen. und es 
ist daher geboten, diesem Umstande rechtzeitig Rechnung zu tragen. Freilich wissen wir 
wohl, es gibt eine Anzahl Fabrikanten, denen Geschmack und Schönheitssinn überhaupt 
gleichgiltig ist. Sie lassen sich aus den Gegenden ihres Absatzes die gangbaren Muster 
schicken und arbeiten danach. Auf diesem Wegs mag das Geschäh einigsrmassen im 
Gange bleiben, Ruhm aber und Ehre sind dabei nicht zu erwerben, und auch hier kann es 
kommen, dass diejenigen, welche die Mode dictiren und die Formen angeben, endlich auch 
das Geschäft völlig au sich reissen. Während die Zusendung der neuesten Muster erwar- 
tet wird, dürüe sich das „zu spät" verhllnguissvell erweisen. 
Die Kunstindustrie von Belgien und Holland. 
J. F. Wenn man sich die Rolle Yergegenwlirtigt, welche die Niederlande einst in 
der Geschichte der Kunst und der Kunstindustrie gespielt haben, so bedeutet ihr gegen- 
wärtiger Zustand, wie ihn die Pariser Ausstellung erkennen lässt, damit verglichen, einen 
bedeutenden Abstand, mag er immerhin im Vergleich zur jüngsten Vergangenheit einen 
groesen Fortschritt enthalten. Die Niederlande heben der Kunst eine neue Epoche ge- 
geben, sie haben zwei Mal einen eigenthümlichen Stil in der Malerei geschaffen und in 
beiden Stilen Leistungen hervorgebracht, die den ersten Werken der Kunst überhaupt sich 
nnreihen; es gnh aber auch eine Zeit für sie, wo sie in der Kunst-industrie kaum minder 
gross waren. Die Wollteppiehe der Niederlande waren das ganze Mittelalter hindurch die 
ersten der Welt; die (lnndrischen „Anna? waren es, in denen die Rnphnefschen Cnrtons 
ßllsgefiihrt werden konnten. Brnbßnter Seidenstoie mit jenen prachtvnllan Mustern, wie 
sie uns die Bilder der alten niederländischen Schule znhlreich sehen lnssen, ausgeführt in 
italienischer Seide, liefen im 16. Jahrhundert denen Italiens den Rang nb und wetteiferten 
lange siegreich mit denen von Tours und Lyon; von der Schönheit der Stickerei und Ps- 
rementenfnhrication legen uns noch heute erhaltene Beispiele glänzendes Zeugniss ab; 
alte Grsbplstten und andere eherne Werke der Kunst reden von ehemaliger Blüthe des
	        

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