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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1867 / 22)

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Die Miuderhegabten oder solche, welche eine vorwiegende Anlage und Neigung zu 
einer ku.nst- oder baugewerblichen Richtung zeigen, erhalten ihre künstlerische und tech- 
nische Ausbildung in allen hierauf bezüglichen Fächern. 
Es liegt in dem Plane der Wirksamkeit der Schule nicht allein, die Schüler in ihrer 
Ausbildung zu fördern, sondern auch die entstandenen Studien fiir alle Bedürfnisse des 
Lebens anzuwenden. Von Seite des Staates, der städtischen Behörden und Kirchenverwal- 
tung des In- und Auslandes ergingen bereits grüssere Außräge an die Anstalt selbst, 
welche von den Schülern und Lehrern ausgeführt wurden. 
So entstanden für die St. Sebnlduskirche in Nürnberg eine neue Kanzel, für Heil- 
bronn, Poppeureuth die innere Ausstattung mit Altären, Kanzeln, Portalen u. s. w. Für 
andere Kirchen wurden Altargemiilde, Leuchter, Crucitixe in der Schule hergestellt. Für 
die Malerei eröGnete sich ein weiteres Feld durch die Cultivirung der Nürnberger Glas- 
malerei. Zahlreiche Entwürfe und Gartens zu Glasgemülden entstanden in der Anstalt. 
In profanem Gebiet beschäftigte die Schule in mannigfaltigster, sowohl in künst- 
lerischer wie kunstgewerblicher Beziehung die Schüler. 
Besonders wurden Werkzeichnungen und Modelle fiir bauliche Zwecke, ferner für 
Brunnen, Möbeln, Hausgeräthe ausgeführt und den Gewerken verabfolgt. 
Zum ersten Male trat die Schule bei Gelegenheit einer in München von höchster 
Stelle veranstalteten Ausstellung sämmtlieher technischer Lehranstalten Bayerns im Sommer 
1863 vor die Oeßentlichkeit. 
Die entschiedenen Erfolge, welche die Schule damals darlegte, hatten zur Folge, 
dass von auswärtigen Regierungen das Ansuchen gestellt wurde, die Schiilersrbeiten der 
Anstalt an verschiedenen Orten zur Anschauung zu bringen. So wurde eine derartige Aus- 
stellung der Schule von Modellen und Zeichnungen in Stuttgart mehrere Monate hindurch, 
ferner in Wien und Carlsruhe veranstaltet. 
Zahlreiche Modelle sind sowohl von den bayerischen als auch auswärtigen Lehran- 
stalten als Vorbilder benützt worden, mit dem Bestreben, die Lehrmethode der hiesigen 
Schule auch dort einzuführen. Das Lehrerpersonal besteht aus 
dem Director A. v. Kreling; 
den Professoren: F. C. Mayer, G. Eberlein, G. Jäger, F. Wanderer, W. Düll; 
den Lehrern: A. Ortwein, B. Klingenstein, Ch. Lenz, J. Baumeister, 
und den Hilfslehrern: J. G. Wolff, Dr, Göschel. 
Kleinere Mittheilungen. 
(Ankäufe des Museums auf der Pariser Weltausstellung.) 
Die diesjährige Pariser Weltausstellung mit ihrem unermesslichen Reich- 
thum an Schätzen der Kunst und Kunstindustrie bietet eine ausserordent- 
liche Fülle solcher Gegenstände, die als mustergiltig und zur Erweckung 
neuer, in Oesterreich nicht geübter Zweige der Kunstindustrie für das 
Museum von grosscm Nutzen wären und deren Erwerbung sich früher 
oder später als Nothwendigkeit herausstellen wird. Die Gelegenheit hiezu 
wird sich vielleicht nie wieder in gleicher Weise ergeben, da sich alle 
competenten Stimmen darüber einigen, dass die nächstfolgenden Ausstel- 
lungen, wann und wo sie auch stattfinden mögen, nur nationellc und ge- 
genständlich partielle sein dürften, die Reihe der Weltausstellungen aber 
mit der Pariser Ausstellung des Jahres 1867 für lange Zeit abgeschlossen 
sein möchte, weil überhaupt das Höchste erreicht wurden ist, was zu 
leisten war und ein Ueberhieten nicht möglich erscheint, sowie weil an- 
dererseits die Herstellungskosten auf das Enormste gestiegen sind. Es 
erscheint darum die Ausstellung nicht blos als eine in eminentester Weise 
günstige Gelegenheit zu Erwerbungen für das Museum, sondern auch als 
eine Gelegenheit, die, wenn sie nicht benützt wird, verloren sein dürfte. 
Die Direction des Museums hat nicht verfehlt, vom Anfange an diese he- 
sondere Bedeutung der Weltausstellun zu würdigen und war bemüht, 
die Mittel, die ihr zu Ankäufen zu Ge ote stehen, für jene Möglichkeit
	        

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