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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe II (1867 / 22)

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Der Handelsvertrag mit Frankreich im Jahre 1861, welcher für die 
ordinäre Thonwaare Belgiens günstig war, bedroht die eigentliche Por- 
cellanindustrie mit einer schweren Ooncurrenz. Die Einfuhr und die 
Ausfuhr beziffert sich in Belgien in den Jahren 1864 und 1865 
E in f u h r : 
Fayence, Porceltun etc. Gewöhnl. Thonwuare Pfeifen 
1864: 1,534.048 Frcs. 128.858 Frcs. 81.562 Frcs. 
1865: 2,08023!) „ 167.379 „ unbekannt. 
A u s f u h r z 
1864: 1,136.602 „ 95.817 „ 3337 F rcs. 
1865: l,327.37Ü „ 166.823 , unbek. 
Von der Einfuhrsumme von Porcellan und Fayence für das Juhr 
1865 fallt auf Frankreich allein die Summe von 1,190.776 Frcs., Preussen 
führte ein 232.515 Frcs., Oesterreich figurirt gar nicht. 
Die Bronzeindustrie findet sich in Belgien in einer sehr schwie- 
rigen Lage. Seit 40 Jahren sind Versuche gemacht worden, insbesondere 
von Seite des Gouvernements und der niederländischen Herrschaft, eine 
Bronze-Industrie im Lande zu etabliren; aber alle diese Versuche sind 
so ziemlich vergeblich gewesen. 
Zur Hebung der Bronzeindustrie gehören nicht blos eine grosse 
Anzahl sehr ausgezeichneter Künstler, sondern auch ein sehr starker 
Verbrauch der Waaren. Aus diesen beiden Rücksichten und wegen seiner 
Nachbarschaft zu Paris ist Belgien nicht im Stande, die Bronzeindustrie 
zu heben. Frankreich, vor allem Paris, beherrscht heutigen Tags diese 
Industrie vollständig und übt sozusagen ein Monopol aus. Die Hälfte 
sämmtlicher Kunstproducte, welche in Paris verfertigt werden, gehen 
ausserhalb Frankreich; ein Thcil kommt nach Belgien. 
_ Trotzdem wird in Belgien fortwährend einiges in Bronze gearbeitet, 
wie eben die Weltausstellung zeigt, und die Gesellschaften. zur Aufmun- 
terung der Kunstindustüe bemühen sich ununterbrochen, der Bronze- 
Industrie einen Boden zu verschaffen. 
Es sind auch mehrfach Versuche gemacht worden, an die Stelle 
der Bronze andere Metalle zu setzen: Blei, Zinn und vor allem galvani- 
sirtes Zink. 
Eine grosse Ausdehnung hingegen haben jene Zweige der Kunst- 
industrie genommen, welche sich auf Kirch e neinriehtnn gen beziehen. 
Lüttich allein besitzt drei grosse Ateliers für Bildhnuerei in Holz und in 
Stein, und die Eigenthümer derselben sind kaum im Stande, den Auf- 
trägen zu genügen, welche sie von allen Gegenden der Welt erhalten. 
Nach Lüttich ist Brügge der wichtigste Ort für Fabrication kirchlicher 
Einrichtungsgegenstände. Obwohl die Ateliers in Brügge erst in jüngerer
	        

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