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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe V (1869 / 51)

Chlorverbindungen und schwefelsaure Salze enthält, die sich an der Mörtelbildung 
nicht betheiligen können und ihr, weil sie nicht fest und unlöslich werden, nur 
schaden, indem sie den Mörtel feucht erhalten. 
Auch sie erscheinen oft als Answitterungen an den Mauern und geben ihnen 
jenes fleckige hässliche Ansehen, welches oft die schönsten Bauten vernnziert. 
War der Kalkbrei aber längere Zeit vorher eingesumpft, so versickern 
die Lösungen dieser Substanzen in das poröse Erdreich und es befreit sich so 
auf die einfachste, nicht leicht besser zu erzielende Art der Kalk von ihnen. 
Es ist nicht zu besorgen, dass durch so langes Liegen der Kalk vor der 
Zeit kohlensauer wird. Allerdings bildet sich bald auf der Oberliäche eine diinne 
Schichte kohlensauren Kalks, allein diese, einmal gebildet, wirkt geradezu schützend 
fir die darunter liegende Masse, weil sie hinreichend dicht und cohiirent ist, um 
das weitere Eindringen der Luft zu verhindern. 
Nach der Güte des Kalks, seiner Fettigkeit oder Magerkeit richtet sich 
natürlich die Menge des znzumischenden Sandes. 
Im Allgemeinen ist von der Erfahrung das Verhültniss von 1 Tbeil gelösch- 
tem Kalk zu 2-3 Theilen Sand als das beste erprobt. Man kann den Sand als das 
feste Skelet betrachten, an das sich der im Laufe der Zeit bildende kohlensaure 
Kalk anhettet, wie die Muskeln und Sehnen an die Knochen des Körpers. Es 
muss eine Regel sein, die sich aus der Theorie ergibt, dass man dem Sand eben 
nur soviel Kalkhydrat zumischt, als nothwendig ist, um alle Körner vollständig zu 
umhüllen und die Hohlräume gehörig auszutüllen. 
Es ist darum auch besser, dem groben Sand etwas feineren zuzusetzen, als 
groben allein anzuwenden. 
Der Sand selbst, um möglichst viele Berührungs- und Anheftungspnnkte für 
den Kalk zu bieten, soll von rsuhem, eckigem, nicht glattem und abgeschlißenem 
Korn sein. _ 
Es leuchtet ferner ein, dass man vom Mörtel keine Vorräthe machen darf, 
die nicht schnell aufgearbeitet werden könnten. Er kann nach einigen Tagen 
schon so viel Kohlensäure angezogen haben, dass er unbrauchbar wird. 
Ebenso verständlich ist, dass man ibn nicht in zu dicken Schichten zwischen 
die Steine und Ziegel bringen soll, weil man damit das Austrocknen der Mauer 
nur verzögert, statt ihr mehr Festigkeit zu geben. 
Um die Adhäsion zu befördern, müssen poröse Steine, namentlich Ziegel, 
vor dem Aufbringen des Mörtels mit Wasser angenetzt werden. Aus demselben 
Grunde werden dichte aber glatte Steine zuerst mit dem Hammer ranh gemacht. 
Zum Bauen gehört warmes trockenes Wetter, damit sich schnell iiusserlich 
eine Kruste von kohlensanrem Kalk um die Mörtelpartien bilden kann. Erst dann 
ist er durch diese vor dem auswaschenden Regen und den atmosphärischen Nieder- 
schlägen so weit geschützt, dass der Bildungsprocess des kohlensauren Kalks auch 
im Innern ungestört weiterschieiten kann. 
Die oft betonte Langsamkeit, mit der das geschieht, das lange Beharren des 
Kalks in den tiefer liegenden Partien als Kalkhydrat lässt es von vornherein nnmög-- 
lich erscheinen, mit dieser Art von Mörtel Bauten aufzuführen, die von Wasser bespült 
oder gar in Wasser hinein errichtet werden sollen. Lange bevor das Wasser seine 
Kohlensäure an den Kalk abgeben könnte, würde es ihn mechanisch fortgcspült, zum 
Theil gelöst und den ganzen Mörtel desaggregirt haben. 
Der besprochene Mörtel ist daher ausschliesslich Landmörtel, Mörtel für Hoch- 
bauten, und es bedarf einer ganz andern, nach wesentlich verschiedenen theoretischen 
Principien zusammengesetzten Mörtelmasse für Wasserbauten, eines Mörtels, den man 
hydraulischen nennt und der den Gegenstand meiner nlichsten Besprechung bilden soll. 
Fasst man den Begriff des rllortcls etwas weiter und snbsumirt darunter nicht
	        

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