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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 68)

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_kennen lehren. Die Handzeichnungen sind von diesem Gesichtspunkte 
aus zur geschichtlichen und individuellen Charakteristik der Meister noch 
lange nicht genug gewürdigt und benutzt. Aber bei den Handzeichnungen 
Dürer's, wie sie jetzt im Museum ausgestellt sind, geht die Bedeutung weit 
über dieses geschichtlich-persönliche Interesse hinaus, denn sie sind nicht 
blos Studien, sondern zum grossen Theil fertige, durchaus vollendete 
Arbeiten, die für sich Kunstwerke von höchster Schönheit sind. In dieser 
Beziehung nennen wir z. B. die 12 Blätter der sogenannten grünen Pas- 
sion, die sämmtlicb ausgestellt sind, oder die überaus reizvolle colorirte 
Federzeichnung „Maria mit dem Kinde in einer reichen Landschaft." 
Andere Zeichnungen vereinigen beides, das Interesse als Studie und den 
objectiven Reiz eines vollendeten Werkes. In diese Kategorie gehören 
verschiedene Köpfe, z. B. die für den Jacob Hellefschen Altar gemachten 
oder auch die liebenswürdigen, gänzlich durchgeführten Pflanzenstudien 
nach der Natur, sodann der Löwe, das Kaninchen und anderes. Auch 
die Costiimiiguren, von denen wir am Schlusse noch zu sprechen haben 
werden, gehören dahin. Eine neue Saite des grössten Meisters schlagen 
wieder die Landschaften an, davon sich als Aquarelle und Federzeich- 
nungen in mehr oder minder vollendeter Ausführung eine ziemliche An- 
zahl ausgestellt finden. Nicht minder wird unsere Aufmerksamkeit von 
den Porträtzeichnungen gefesselt, Zeichnungen nach der Natur, die wir 
daneben mit den ausgeführten Stichen oder Holzschnitten, denen sie zur 
Vorarbeit gedient haben, vergleichen können. Dasselbe ist der Fall mit 
vielen Zeichnungen und Studien, die verschiedenen Stichen und Holz- 
schnitten zu Grunde lagen, wobei wir noch besonders der Herrn Gsell 
gehörigen Zeichnung zu Adam und Eva gedenken müssen. Die ausgestell- 
ten Holzschnitte und Kupferstiche sind zu bekannt, als dass wir noch 
an dieser Stelle darauf besonders aufmerksam zu machen nöthig hätten. 
Zum Schlusse wollen wir aber noch einer anderen dritten Art ge- 
denken, durch welche das Museum das Andenken des grossen Meisters 
ehrt. Es ist dies eine im Verlage von W. Braumüller erscheinende Fest- 
publication, die facsimilirte Wiedergabe von fünf, in der Kunstwelt langst 
berühmten Costümzeichnungen Dürer's aus dem Besitz der Albertina, mit 
einem kurzen einleitenden Text von Dr. M. Thausing. Diese reizenden 
Figuren sind mit unvergleichlicher Treue von Joseph Schünbrunner 
auf den Holzstock gezeichnet und in der xylographisehen Anstalt von 
F. W. Bader entsprechend ausgeführt worden. Abgesehen von Veran- 
lassung und Inhalt wird diese Publication auch als xylographiseher Far- 
bendruck seine Bedeutung bewahren. 
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