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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 68)

Gegenstände waren gut zu sehen. Nirgends machte sich ein lärmendes 
Hervortreten, sei es untergeordneter oder hervorragenderer Personen, ein 
charlatanartiges Anpreisen ausgestellter Objecte bemerkbar. Der vornehme 
Ton, der Florenz in so vortheilhafterv Weise charakterisirt, ging auch aui 
diese Ausstellung über; Schreier, auf Ausstellungen so häufig vorkommend, 
waren glücklicherweise in Florenz nicht zu linden; auf Anfragen erhielt 
man klare und bestimmte Antwort. Diese Ausstellung erhielt auch die 
Anerkennungdes Pnblicums; sie wurde zahlreich besucht; die Zeitungen 
iwidmeten derselben eingehende Besprechungen. 
Nach diesen allgemeinen formellen Bemerkungen zu thatsächliohen 
übergehend, kann man nicht anders, als anerkennen, dass das weibliche 
Geschlecht einen nicht unbedeutenden Antheil an der nationalen Arbeit 
des heutigen Italiens hat; er ist grösser, als ich vermuthete, und besser; 
dass das Bessere auf einer solchen Ausstellung zum Durchbruch kam, 
st in erster Linie das Verdienst des Comitäs, dases wusste die Spreu 
uuszuscheiden und das Gute insbesondere in der weiblichen Hausindustrie 
aufzusuchen. Das ist in den meisten Ländern, vor Alien in Italien eine 
schwierige Arbeit. Es kamen zwar, insbesondere auf dem Felde Ader 
Buntstickerei, wie überall, so auch auf der Florentiner Ausstellung die 
geschmacklosesten Arbeiten, ganz vernnglückteVersuche aller Art vor. Aber 
neben solchen ganz [verwerflichen Leistungen modernen Ungeschmackes 
gab es Arbeiten von hervorragender Bedeutung und Bestrebungen, die auch 
in Oesterreich berücksichtigt zu werden verdienen. Zu den letzteren rech- 
nen wir die Anstrengungen, die gemacht werden, die Producte weiblicher 
Hand- und Hausarbeit zu einem Industrieartikel fortzuhilden und zu er- 
heben, zu einem Gebrauchsgegenstand fiir weitere Kreise und zu einer 
erhöhten Einnahmequelle für die Arbeiterinnen. Da die weibliche Hand- 
arbeit fast ausnahmslos sich dem Gebiete der Kunstindustrie, oder we- 
nigstens Techniken zuwendet, die für Kunstindnstrie verwendet werden 
können, so müssen selbstverständlich auch bei Beurtheilung weiblicher 
industrieller Thätigkeit die zwei Hauptarten von kunstgewerhlicher Pro- 
duction in's Auge gefasst werden - d. h. jene Art, die auf einer hervor- 
ragend künstlerisch begabten Individualität beruht, durch diese in. das 
Leben eingeführt wird, und mit ihr, oder mit der von derselben begrün- 
deten Schule wieder untergeht, - oder jene Art, die nicht Schöpfung 
Eines Individuums, sondern Production vieler Einzelner, ja ganzer Go- 
meinden und Volksstämme, daher eine Art Mnssenproduetion ist, und wo 
es wesentlich darauf ankommt, diese Massenproduction zu regeln, sie vor 
Abwegen zu behüten, gute Vorbilder, bewährte historische Traditionen 
in derselben zur Geltung zu bringen. Hier kann die Schule und ein ver- 
ständiges Eingreifen von Personen, welche die Grundbedingungen des 
Fortschrittes in der Kunstiudustrie kennen, viel thnn; hier ist dem Natio- 
nalökonomen wie dem Kunstfreunde eine reiche Gelegenheit geboten,
	        

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