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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 70)

zum Flussmittel werden, wenn die Waare stärker gebrannt wird, denn 
es schmiltzt dann dasselbe mit der Kieselsäure zu einem Silicat zu- 
zumuten. - 
Die aller-verbreitetsten Thone, der Töpferthon, Ziegelthon und der 
Lehm, enthalten reichlich Eisenoxyd neben kohlensaurem Kalk, der in 
höherer Temperatur gleichfalls zum Flussmittel wird. 
Die bisher erörterten Verhältnisse erlauben uns nun schon, eine 
eigentliche Eintheilung sämmtlicher Thonwasren zu treffen, wobei wir 
natürlich völlig absehen von der Form oder künstlerischen Ausstattung, 
die man ihnen gegeben hat, die zwar ihren Preis ändern und erhöhen 
können, die aber auf ihre sonstige Beschaffenheit so wenig bestimmend 
sind, dass z. B. die ordinärste Porcellanschale als ein unendlich viel 
besseres Fabrieat erklärt werden muss, als die theuerste Mojolicaschüsscl 
irgend eines Museums. 
Indem wir diese Waaren zu classiticiren versuchen, sprechen wir 
auch hlos von ihrer Masse, ihrem F leisch,'_ nicht von ihrem Ueberzug, 
ihrer Glasur, ihrer Iirnissähnliclren WL _ '.' 
Wir zerbrechen sie, um sie 'ihrem Werth erkennen zu können, 
und sehen zunächst, dass sie entweder 1. porös und nur gesintert, oder 
2. dass sie nicht porös und halb geschmolzen sind. 
Damit haben wir zwei grosse Classen gewonnen, in die wir nun nach 
ihren sonstigen Eigenschaften die verschiedenen Gattungen unterbringen 
können. 
Wir unterscheiden nunmehr nur verschiedene Grade von Feinheit, 
Weisss und Farbigkeit, Homogeneität der Masse in diesen beiden grossen 
Kategorien, und zuletzt darin, oh sie einen glasartigen Ueberzug haben, 
eine Glasur besitzen, oder nicht. _ 
Zu den porösen, nur gesinterten Waaren gehören als rohesteg- 
Produet die Ziegel, als Mittelwaare die gewöhnlichen Töpfergeschirre, als 
feinstes Produet die Fayence oder das Steingut, endlich alle antiken 
Thonwaaren. 
Zu den nicht porösen, halb geschmolzenen Wanreu gehören als or- 
dinäre Sorte das sogenannte Steinzeug, die Masse der Mineralwasserkrüge 
u. dgl., als Mittelsorte das sogenannte Wedgewoodgeschirr, als feinste 
endlich das Porcellan. 
Die Waaren der ersten Classe sind aus einem Thon verfertigt, 
der entweder keine Zuthat von Flussmitteln erhält, oder, wenn sie ihm 
als natürliche Beimischung doch schon eigen sind, die bei einer Tem- 
peratur gebrannt sind, die ein Erweichen oder Schmelzen dieser Fluss- 
mittel nicht zulässt, sondern nur ein Zusammensintern und Dichterwerden 
lbrtnlzung auf der lielluyv.
	        

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