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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 70)

Ornamentik bestimmten Terracotten befinden sich in der otfenen nach 
dem Garten hinausschauenden Arkadengallerie zur Seite. Ausserdem sind 
Poterien durch verschiedene andere Corridore und Gange zerstreut. Ueber 
den langen Gallerien, welche zur einen Seite die Maschinen, auf der an- 
dern die Porcellane und Fayencen enthalten, befinden sich andere Gal- 
lerien mit Oberlicht, welche bestimmt waren, die Bilder aufzunehmen, 
während daneben über der olTenen Arkadengallerie an der Gartenseite 
lange Terrassen hinahlaufen, die, einen wundervollen Üeberhlick über 
die ganze Anlage gewährend, uns stets erlauben, aus den überfüllten 
Räumen zur Erholung an die freie Luft zu treten. Die Oberlicht- 
gallerien waren, wie gesagt, bestimmt, die Bilder aufzunehmen, aber ihre 
Wände haben zu diesem Zwecke nicht ausgereicht, und man hat sich 
genöthigt gesehen, einen sehr grossen Theil der Bilder, den jene Wände 
nicht mehr zu fassen vermochten, an verschiedenen anderen Orten zu ver- 
theilen, so dass auch hier eine unerwünschte Zerrissenheit eingetreten ist. 
Man hat sich dazu von dem Motive leiten lassen, dass es besser sei, 
lieber in dieser nicht ganz entsprechenden Weise auszustellen, als ange- 
messene Kunstwerke überhaupt zurilckzuweisen, ein Motiv, das auch bei 
der getrennten Aufstellung der Terracotten mitgewirkt hat. Auch die 
Sculptnren sind vertheilt und befinden sich theils in den Bildergallerien, 
zum Theil in den unteren Hallen und Corridoren. 
Die Bildergallerien haben mit ihrem Raume in der Mitte aber noch 
einem anderen Zwecke dienen müssen. Sie haben einen grossen Theil 
der feineren Kunstindustrie aufgenommen, zumal die Arbeiten in edlem 
Metalle, die feineren Gewebe und Stickereien und die Möbel, die aller- 
dings sämmtlich der reichsten luxuriösesten Art angehören, darum aber 
immer noch keine "Kunst", sondern nur „Kunstindustriä sind. Man 
hat hier meines Erachtens in der systematischen Grundlage einen grossen 
Fehler gemacht, der auch auf den Katalog übergegangen ist. Es ist 
allerdings schwer, die Kunst, die vom lGrössten bis zum Kleinsten zu- 
sammengehört, in Ahtheilungen zu zerlegen. Will man aber einmal Kunst 
und Kunstindustrie oder Kunst und Industrie trennen, so kann das unter- 
scheidende Merkmal nicht dasjenige scin, ob mehr oder weniger Kunst 
angewendet worden, sondern unterscheidend ist die Bestimmung, der 
Zweck. Jeder Gegenstandjwelcher wirklich oder scheinbar dem prak- 
tischen Gebrauche dient, wie viel Ornamentation er auch erhalten 
haben mag, gehört der Industrie, specieller der Kunstindustrie an, jeder 
Gegenstand, der keinen bestimmten Gehrauchszweck zeigt, dessen Be- 
slimmung der Genuss seiner Schönheit ist, gehört der Kunst, der freien 
Kunst an. Bei dieser Ausstellung aber ist der Unterschied ganz will- 
kiirlich gemacht und der „Kunst' eingereiht, was man eben in die für 
die "Kunst" bestimmten Räume mit aufnehmen wollte. 
Ganz so ist es mit dem Katalog, welcher den Räumlichkeiten folgt,
	        

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