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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 75)

suche weniger zugänglich sein sollen, oder ob nicht vielmehr eine Zeichenschnle der an- 
gedeuteten Art dorthin gehört, wo die Porcellanindustrie so zu sagen für das ganze Kai- 
serthum Oesterreich ausschliesslich ihren Sitz hat. Es muss übrigens bemerkt werden, 
dass auch die Besitzer der bestrenommirteu Fabrik in Pirkenbsmmer sich für die Errich- 
tung einer Sonntags-Zeicbenscbule in Karlsbad aussprechen. Dass die Fcrmvollendnng 
beider Porcellanindustrie eine grcase Rolle spielt, die Exportßhigkeit der Erzeugnisse 
steigert, den Preis derselben erhöht und der freie Wertb, welcher in der Ptiege des guten, 
Geschmackes gewonnen wird, zur Hebung des Nationslvermögens wesentlich beiträgt, 
alles das bedarf des Beweises nicht. 
Das Comite spricht sich daher für die Errichtun einer Speeinlzeichenschnle für die 
Arbeiter der Porcellanindustrie aus, befdrwortet als itz dieser sehen Elbngeu und 
zwar aus nachstehenden Gründen: 
1. Liegen in näherer und weiterer Entfernung von Elbogen eben so viele Por- 
cellsnfabriken, wie bei Karlsbad (Elbogen, Schlnggenwald, Chodau, Altrohlau); 
2. muss der Besuch einer Zeichenschnle in Karlsbad, wenn er mit Kost und Logis 
verbunden, als scbwieri er bezeichnet werden. 
Mehr als diese riinde spricht aber fiir Elbogen ein anderer Umstand. - In 
Elbogen kann die Zeichenscbule mit der Oberreslschule in Verbindung gesetzt werden, 
und Endet duselbst in tüchtigen Lehrkrlften, in reichhaltigen Sammlungen vnn Modellen 
und Zeichenvorlageu erwünschte Voraussetzungen des Gedeihens. 
Es wlire daselbst auch der Unterricht im Modelliren ohne besondere Kosten zu er- 
möglichen und was als Hau tsache in's Gewicht fällt, die Besucher der Realschule da! 
sellbst sind in der Lage, die geichenschule unter Einem mit der Realschnle selbst zu ab_ 
so viren. 
Das Comi ' ist der Ansicht, dass der Zeichenunterricht der Biirgerschule flir den 
angedeuteten Zweck nicht genügt, wohl aber kann denselben ein Fortbilduugscurs 
im Zeichnen und Modelliren, berechnet für die Arbeiter der Purcellanindustrie ver- 
bunden mit regelmäßigen Ansdügen in die benachbarten Etablissements wesentlich fordern; 
es könnte der Fortbilduugscurs zugleich Sountagazeichenschule sein und als 
solche den erwachsenen Arbeitern mannigfache Gelegenheit zur Weiterbildung geben. Je 
nach der Ksteglorie der Arbeiter, welche sich im Zeichnen und Medellireu auszubilden 
wünschen. nac Massgnbe der Anforderungen, welche an dieselben gestellt werden, hätte 
der Curs in eine erste (obere) und zweite (untere) Abtheilung zu zerfallen. - Der Sonn- 
tagsunterricht würde zweckmlissig mit der unteren Abtheilung verbunden bleiben. 
Gegenwärtig, wo auf dem Wegs der plastischen und photographischen Reproduction 
alle möglichen Kunstgegenstände und Vorbilder des guten Geschmackes zu bescbaden, mit 
billigen Kosten aus den Museen des In- und Auslandes zu beziehen sind, kann das Vor- 
handensein einer für die Hebung des Geschmackes in der Porcellanindusn-ie berechneten 
Sammlung allein schon sehr viel zur Fortbildung auf diesem Gebiete als möglich bezeichnet 
werden, auch für Jene (erwachsenen Arbeiter), welche den Cnrs nicht mehr hören können 
und hingt hier sehr vieles von der Leitung der Anstalt, von den angestellten Lehrkritlen ab. 
Welchen Nutzen könnte beispielsweise eine Sammlung von Porcellauwamen uns 
dem In! und Auslands aus der Gegenwart und Vergangenheit den besucbenden Arbeitern 
bieten. wenn der erldutemde Vortrag eines ästhetisch gebildeten Lehrers auf die Fehler 
und Vorzüge aufmerksam macht. 
Ans allen diesen Gründen wäre es bedauerlich, wenn hier nicht wenigstens ein 
Versuch und Anfang gemacht würde, welcher aufstrebenden Talenten und auch Unterneh- 
mungen zu gute kiimmt. 
Was schliesslich die Mittel zur Realisirung des Projectes anbelangt, so wäre 
hier in ähnlicher Weise ein Znsammengreifen der beim Zustandekommen der Schule lu- 
teressirten Factoren anzustreben, wle dies bei der Gewerbeschule für Weberei in Asch 
der Fall war. 
Das hohe k. k. Handelsministerium wäre um eine Subvention aus Reiclmmitteln an. 
zugeben und wäre diese Subvention, bestehend in einer bestimmten Summe oder in jähr- 
lichen Unterstutsnngbeitrligen, wohl auch zn erlangen. 
Die Mitwirkung der Industriellen, welchen der Bestand der Schule indirect zu Gute 
kommen soll, würde gewiss mit Erfolg angerufen werden. Die meisten Industriellen haben 
Unterstütznngsbeitriige entweder ein für allemal oder jährlich bereits in Aussicht gestellt. 
Je nach dem Masse der Unterstützung von Seite der Industriellen oder mit anderen Worten 
dem Grade der Selbsthilfe, welche sich dabei bcthätigt, könnte die Leitung der Schule 
selbst in den Händen eines aus den lndusiriellen gewählten Curatorinrns bleiben. 
Endlich wiirde der k. k. Landesschulrat]: gewiss Veranlassung trcden, damit die Lehr- 
mittelsnmrnluugen und zum Theile auch die Lehrkriihs der Oberrenlschuls in Elbogsn der 
neuen Schule zu Gute kommen. Auch die Gemeinde Elhogen dürfte sich bestimmt linden 
der Sache ein Opfer zu bringen.
	        
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