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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1870 / 61)

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Die „Wolken", als Ornament behandelt, haben wir eben genannt, 
nur weiss ich nicht, ob sie meine Leser in den phantastisch geballten 
Massen, durch die sie vorgestellt sind, stets leicht zu erkennen im Stande 
sein werden. Neben ihrer schon erwähnten Bedeutung mit dem Luy-wan 
repräsentiren sie 'auch noch durch ihre verschiedenen Farben die ver- 
schiedenen Jahreszeiten. Es heisst darüber: „Die Wolken hatten ehemals 
alle Farben und waren viel glänzender als heutzutage. Der (mythische) 
Gesetzgeber und Kaiser Hoang-ti setzt als Embleme des Frühlings die 
grünen Wolken, des Sommers die rothen, des Herbstes die weissen, des 
Winters die schwarzen und der mittleren Jahreszeiten die gelben fest." 
Der acht Kua haben wir schon Erwähnung gethan. In gewisser 
Beziehung verwandt mit den Kua's ist das Zeichen l-E genannt Wän- 
tse, entweder in der wie hier einfachen oder in etwas complieirterer Weise 
gezeichnet, aus der sich aber die Grundgestalt leicht erkennen lässt. Als 
Zahlzeichen bedeutet es "Zehntausend" und drückt als solches den Be- 
griff des All aus. Es ist buddhaistischen Ursprungs und findet sich als 
Stigma auf der Brust Buddha's (als „Swatiska" auf der Brust Sakja 
Muni's, des siebenten menschlichen Buddha), wo es die Welt als im steten 
Umschwunge begriffen als Kreuzung von Yn und Yaü darstellt. Es 
wird genannt das „beglückende Zeichen aller guten Kräfte und Eigen- 
schaften", das „alles segensreiche und Vortreffliche" in sich fasst. Den 
Gegenständen, die es tragen, verleiht es eine besondere Heiligkeit und 
Würde. 
Auf Bronze- und Emailvasen (seltener auf Porzellanvasen) findet 
sieh häufig die ziemlich summarisch rohe Zeichnung eines Augenpaares, 
was die Kunsthändler von London und Paris das "geheime Auge" nennen 
und als eine Art empfehlender Marke ansehen. Damit verhält es sich 
aber folgendermassen: Diese Augen sind meistens der Bestandtheil einer 
durch den über-phantastischen Schwung ihrer Linien nur mit Mühe als 
Zusammengeböriges erkennbaren Fratze. die ursprünglich das Antlitz 
eines Tigers vorstellen sollte. Dies Symbol oder Ornament heisst Hau- 
täen, d. i. „unmässiges Essen", und soll eine Ermahnung zur Enthalt- 
samkeit bei Darbringung des Opfers und eine Aufopferung sein, die 
„fünf Tugenden" Wohlthätigkeit, Gerechtigkeit, Reinheit der Sitten, Red- 
lichkeit und Klugheit zu üben. Für sich allein, ohne Tigerkopf auf Vasen 
angebracht, kann jedoch das Auge noch eine andere Bedeutung haben. 
Das Li-ki (Memorial der Riten des Confueius) belehrt uns darüber: 
n. B. auf Möbeln, Schnitzereien etc., Anwendung Enden. Zur Entscheidung von Fragen 
wie die vorliegende muss man übrigens von allen Objeeten neuerer Erzeugung abstruhiren, 
bei denen der Einliues europäischer Kunstweiee (dar auf die Länder den Ostens stärker 
wirkt als mnu gewöhnlich anzunehmen pflegt) nicht nungeechlouen ist.
	        

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