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Full text: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1870 / 61)

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hafte Vogel Fun-hcaü, der Vogel der Unsterblichkeit, der chinesische 
Phönix, das Symbol des Glückes und des langen Lebens, der sich nur 
zeigt, wenn unter der Regierung eines weisen Kaisers die „grosse Har- 
monie" des Reiches eintritt. Sein Gefieder erglänzt in iiinf (d. h. nach 
chinesischer Optik in allen) Farben, sein Gesang ertönt in iTJnf (ebenfalls 
allen) Grundtönen. Er wird pfauenähnlich dargestellt und hat offenbar 
Verwandtschaft mit dem Pfau der Inder, und. wie der Begleiter der Juno 
ist auch er Führer der Göttin Waü-mu, der "königlichen Mutter des 
Himmels". Er ist_das Wappenthier der Kaiserin. Sein Bild ist als Schmuck 
auf Gegenständen aller Gattungen nicht weniger häufig als das des Dra- 
chen, und auf Vasen angebracht soll er namentlich jene bezeichnen, die 
bei freudigen Anlässen gebraucht werden. 
Obwohl weit seltener ein Gegenstand bildlicher Darstellung auf 
Vasen u. dgl. als der Drache und Fufi-hoaii, kann doch ein Wesen nicht 
unerwähnt bleiben, das unter den Vierfüsslern dieselbe Rolle spielt Wie 
der Fun-hoaü unter den Vögeln. Es ist der „Hirsch Ki-lin", wie ilm 
das Li-ki nennt, ein Thier, das sich ebenfalls nur zeigt, wenn das Reich 
in einem glücklichen Zustande sich befindet, oder wenn segensreiche 
Ereignisse bevorstehen. So erschien es (wie im Schu-king berichtet wird) 
zu den Zeiten des Confucius in den Gärten des kaiserlichen Palastes. 
Es wird geschildert als von sanfter Gemüthsart, mit dem Körper eines 
Damhirsches, Hufen eines Pferdes, Schuppen, die in den üinf Farben 
glänzen, und mit Hörnern auf dem Kopfe, die jedoch, um Niemand zu 
verletzen, weich und biegsam sind. In Bronze ist das Ki-lin häufig gebil- 
det und trägt dann meist irgend einen der Heroen oder Philosophen auf 
seinem Rücken, so den Kaiser Hoay-ti, den Confucius etc. Die drei 
Thiere, Drache, F nii-hoan und Ki-lin, denen sich nach Umständen noch 
die Schildkröte und ein ,heiliges Pferd" zugesellt, sind, wie zum Theile 
schon erwähnt wurde, neben ihren andern Bedeutungen auch Symbole 
des Reiches und der Regierungsweisheit; wieso sie zu alledem gekommen, 
ist heute, bei der phantastisch-bizarren Gestalt, mit der sie im Laufe der 
Zeit die Einhildungskraft des Orients ausgestattet hat, nicht mehr ßllfzu- 
klären. Im Li-ki (Cap. X) lesen wir: „Wenn unter der Regierung eines 
weisen Regenten die grosse Harmonie der Dinge zur Herrschaft gelangt, 
so hat der Himmel keinen Vorzug, der Mensch keine Liebe zu seinen 
Leidenschaften mehr. . .. Der Himmel öffnet sich, um Fruchtbarkeit zu 
ergiessen, die Quellen geben köstlichen Wein. Aus dem grossen Flusse 
steigt das Pferd mit den geheimnissvollen Zeichen i), der Vogel Fun- 
hoaii und der Hirsch Ki-lin bewohnen das Land und die Forste, und die 
Schildkröte und der Drache halten sich auf im Weiher des kaiserlichen 
3) Nach einigen Versionen erscheint auch das Pferd als Träger der aehl Km, die 
wir früher als dem Rücken der Schildkröte entnommen kennen galant bnben.
	        

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