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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1870 / 61)

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geschenke gegeben werden, hat also eine den früher genannten verwandte 
Tendenz. In einem chinesischen Romane (Pi-pa-ki) beist es: „.. .. euer 
Sohn wünscht, dass sein Vater und seine Mutter dem Piirsichbaum Fan- 
tao gleichen, der sich alle dreitausend Jahre mit Blütben schmückt, oder 
den Pinien und Cypressen, die die Gräber heschatten und der Unsterb- 
lichkeit geniessen." 
Dass den Farben und ihrer Zusammenstellung ebenfalls symbolische 
Bedeutung zukommen kann, ist schon, wo von den „Wolken" die Rede 
war, erwähnt worden; dies zu illustriren möge hier zum Schlüsse des 
Excurses über die chinesische Symbolik und Ikonographie noch ein 
Absatz des 52. Buches des Tscheu-li seinen Platz finden. Es ist die Rede 
von den Opfern und Festgewandern des Kaisers. 
„Die Arbeit der Maler mit den Fäden (d. i. der Sticker) besteht in 
dem Zusammensetzen der fünf Farben. 
Die Seite des Ostens ist die blaue Seite, die Seite des Südens ist 
die rothe Seite, die Seite des Westens ist die weisse Seite, die Seite des 
Nordens ist die schwarze Seite. Die Seite des Himmels ist die blau- 
schwarze Seite, die Seite der Erde ist die gelbe Seite. (Dies bezieht sich, 
fügt ein Gommentator hinzu, auf die Farben der sechs Flächen des Wür- 
fels, auf dem der Kaiser opfert.) 
Das Blau wird. mit dem Weiss verbunden, das Roth mit dem Schwarz, 
das schwarzblau mit dem Gelb. (Dies soll sich nach dem Cnmmentar 
auf die Farben des Oherkleides des Kaisers beziehen.) 
Blau mit Roth ist die regelmässige Stickerei Wen. 
Roth mit Weiss ist die gemischte Stickerei Tsehang. 
Weise mit Schwarz ist die Stickerei mit weissen und schwarzen 
Streifen Pu. 
Schwarz mit Blau ist die Stickerei mit blauen und schwarzen Strei- 
fen Fo. 
Die gemeinsame Anwendung der fünf Farben bildet das, was man 
die gemischte Stickerei Sieu nennt. 
Die Erde ist dargestellt durch die gelbe Farbe, ihre eigenthümliche 
Figur ist das Viereck, der Himmel wechselt nach den Jahreszeiten. 
(S. oben bei den „Wolken".) 
Das Feuer wird dargestellt durch die Figur des Kreises. ("Durch 
einen Halbkreis, in dem die Flammen zusammenzuschiessen pliegen." 
Commentar.) 
Die Berge werden dargestellt durch einen Damhirsch. (Die Ueber- 
Setzung „Damhirschu ist nicht verlässlich.) Das Wasser wird dargestellt 
durch die Figur des Drachen. Die Vögel, die vierfussigen Thiere und die 
kriechenden Thiere werden dargestellt in ihrer natürlichen Gestalt." 
Fr. Li pmann. 
(Schluss folgt.) p
	        

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