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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1870 / 61)

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das Verfahren selbst zum Unterschiede von der Daguerreotypie „Ph otographie" 
genannt. 
Indessen waren die ersten Photographien oder Papicrbilder noch keineswegs 
im Stande, die Daguerreotypien aus dem Felde zu schlagen, denn sie waren noch 
weit entfernt davon, auch nur mässigen künstlerischen Anforderungen zu genügen. 
Im Gegensatz zu den Daguerreotypien, die sehr scharf und sauber ausüelen, 
waren diese Bilder unklar, verwaschen, ohne feste Contour und von einem sehr 
unangenehmen, braunen oder brauurothen, fuchsigen Farbenton; kurz sie waren 
eben auch nichts weiter als ein versprechender Anfang. 
Ihr Hauptfehler, die mangelnde feste, scharf umrissene Zeichnung, riihrte 
von dem, fir diesen Zweck unzureichenden Material der Negatifs, dem Papier. 
Noch hatte man damals kein eigens für photographische Zwecke dargestelltes 
ganz homogenes Papier, wie jetzt, wo grosse Fabriken ausschliesslich mit grösster 
Sorgfalt solches bereiten, und hätte man es auch gehabt, die fnserige Textur des 
Papiers lässt, wenn man es transparent macht, doch nur ein gewisses Durch- 
scheinen, nie völlige Durchsichtigkeit zu. Das Negativ musste, das fühlte sich 
bald heraus, auf Glas projicirt werden können. 
Dann aber handelte es sich darum, einen KunstgriE zu finden, das Glas 
so gleichmässig mit einer dünnen Schichte des empfindlichen Silberpriiparats zu 
überziehen, wie das bcim Papier leicht anging, welches man blos einmal in die 
Lösung einer Chlor-, Jod- oder Bromverbindung, wie Kochsalz, Jodkalium oder 
Bromkalium, und darauf in eine Lösung von salpeters. Silber zu tauchen braucht, 
um einen gleichmässig verbreiteten Niederschlag dieser unlöslichen Silbersalze zu 
erhalten, der durch Adhäsion an der Faser des Papieres haften blieb. Für die 
glatte Glasfläehe aber, von der ein solcher Niederschlag abgedossen wäre oder 
sich zu Flecken verzogen hätte, bedurfte es eines passenden Klebemittcls, und ein 
solches fand man nach mancherlei missglückten Versuchen zuerst in einer ver- 
diinnteu Lösung von Eiweiss, und bald darauf in dem sog. Collodium, einer Lösung 
der zufällig um jene Zeit erfundenen Schiessbaumwolle in Aetherweingeist. 
Nur der praktische Photograph, der sich durch ein unermiidetes miihevolles 
Probiren und tausend fehlgeschlagene Proben zu brauchbaren tadellosen Resul- 
taten durcharbeiten muss, weiss den Werth jeder solchen Verbesserung _ und 
die erwähnten waren nur die allerwichtigsten - zu schätzen, und darum, und 
weil es uns hier nur auf die Hauptsache des Processes und Verfahrens, nicht auf 
die Nebensachen, Kunstgrilfe und kleinen Details ankommen kann, so viel oft 
zum Gelingen des Bildes von ihnen auch abhängen mag, darum versage ich mir, 
in der geschichtlichen Verfolgung der Entwicklung des Silbcrverfahrens weiter zu 
gehen als bis hieher, obwohl von dem Jahre 1850 an etwa die Mittheilungen von 
verbesserten Methoden für die einzelnen Phasen des Processcs, die Darstellungen 
lichtempfindlicher Silberpräparate, das Exponiren, Hervorrufcn, Fixiren und Tonen, 
Schönen, endlich sogar für das Retouchiren und Glätten sich ununterbrochen ge- 
folgt sind und noch jeder Tag neue bringt. 
Nicht nur sind seitdem zahllose zusammenfassende Werke über die Photos 
graphie erschienen, sondern seit geraumer Zeit schon besitzt sie eigene, wissen- 
schaftliche und praktische Fachzeitungen, in denen Buch und Rechnung iiber alle 
neuen Erfindungen und Verbesserungen geführt wird. 
Aber ich darf, ohne etwas sehr Wichtiges und Wesentliches aus der Reihe 
der Verbesserungen auszulassen, nicht übergehen, dass neben dem chemischen 
Verfahren auch der physikalische Apparat dazu eine ausserordenllivhe Ver- 
vollkommnung erfahren hat, und zwar, was uns sehr befriedigen muss, mit von 
unserer Stadt aus erfahren hat durch den wissenschaftlichen Antheil, den unser 
berühmter Mathematiker Pctzval an der Frage genommen hat.
	        

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