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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1870 / 61)

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durch ein Prisma. geht, bekanntlich gebrochen, in die Regenbogenfarhen zerlegt, 
und das um so mehr, je grässer der Winkel des Prismafs ist. 
Man kann nun die Farbenzerstrenung eines Prismafs durch ein zweites 
Prisma aufheben, wenn man dieses zweite verkehrt zum ersten anbringt, weil die 
Brechung und Farbenzcrstreuung im zweiten gleich gross aber entgegengesetzt ist 
der im ersten. 
Dasselbe was also für zwei Prismen gilt. muss auch für zwei Linsen gelten, 
wenn die erste convex, die zweite concav ist und beide vereinigt werden. denn 
auch die Concavlinse lässt sich, so wie die Convexlinse, in ihrem Wesen auf zwei 
Prismen zurückführen, die" an den Kanten aneinanderstossen. 
Man beseitigt also die chromatische Abweichung durch die Vereinigung zweier 
Linsen, die dann ein achromatisches System darstellen. 
In der Rege! combinirt man eine Concav- oder Ssmmellinse von Crownglas 
mit einer Convex- oder Zerstreuungslinse von Flintglas, zwei Glassorten, die an 
sich ein verschiedenes Brechungsvermögen haben. 
Den Bedingungen nun, dass die Linse frei von sphärischen Aberrationen 
und dass sie acbromatisch sei, muss vor allem jedes photographische Objectiv 
entsprechen. Ueberdies aber muss man die Brennweiten nach den aufzunehmenden 
Gegenständen einrichten, anders für Porträts als für Landschaften, und muss ihre 
Lichtstärke in ein verhiiltnlss bringen zur Schärfe des Bildes. 
Es sind hier verschiedene Combinationen von Linsen und Linsensystemen 
möglich, deren theoretische Ausführung oft sehr schwierige Aufgaben der rech- 
nenden Optiker bilden, unter denen eine der ausgezeichnetsten das sog. ortho- 
skopische Objectiv von Petzval ist, welches aus zwei achromatisirten Linsen 
besteht, eine beträchtliche Octfnung und kurze Brennweite hat und sehr scharfe, 
völlig ebene Bilder bei grosser Lichtstärke liefert. 
Dieses System ist eben so sehr durch seine theoretische Construction, als 
durch seine meisterhafte Ausführung durch unsern Voigtlän der zu grosser An- 
erkennung gelangt. 
Im Allgemeinen zielen die verschiedenen Constructionen alle darauf ab, das 
Bild auf der empfindlichen Platte entweder sehr schnell oder aber sehr scharf 
hervorzubringen. Beide Leistungen sind selten vereinigt; schnell arbeitende Ob- 
jective bedarf man stets für Porträtaufnahmen, weil das Object nicht allzulange 
nnverriickt erhalten werden kann. Sie lassen meistens nur eine mittlere Schärfe 
aber eine grosse Lichtstärke zu. Fiir Landschaften bedient man sich langsamer 
arbeitender aber sehr scharfe Bilder lieferndevGläser. 
Das oder die Objective befinden sich in einer (zylindrischen Messiugfassung, 
die ihrestbeils in einer zweiten fernrohrartig verschiebbar ist, um sie genau ein- 
stellen zu können. Die letztere ist an vorspringenden Rändern an die mit einer 
entsprechenden Oeßnung versehene Wand der eigentlichen Camera angeschraubt 
und das Einstellen selbst geschieht mittelst Zahn und Trieb. 
Das Höber- oder Niedrigerstellen ermöglicht ein passendes Statif, auf dem 
die ganze Camera ruht, die von hartem Holz gefertigt ist und innen geschwärzte 
Wände hat. Auch sie besteht meistens aus zwei ineinander verschiebbaren Kästen, 
um ihre Tiefe vergrössern oder verkleinern zu können. 
Denselben Zweck erreicht man, wenn man dem Kasten die Form eines vier- 
eckigen Blasebalgs oder einer Ziebharmonica gibt. Zusammengelegt nimmt er 
dann nur wenig Raum ein und ist besonders bequem beim Transporte Hir die 
Aufnahme von Landschaftsbildern. 
Die rückwärtige Wand der Camera ist von einer matten Glasplatte gebildet, 
die in einen Rahmen mittelst eines Falzes eingesetzt werden kann. 
Auf ihr projicirt sich das -durch das Objectiv erzeugte Bild und wird scharf
	        

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