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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1870 / 61)

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Zeichnungen von Mittelschulen Copien nach FühricHschen Kupferstichen, 
Landschaften in Aquarell und dergleichen mehr sieht. Sehr zu wünschen 
wäre es, wenn man sich entschlösse, in den Mittelschulen die H erdtle- 
scheu Vorlagen des Zeichenuntetrichtes zur Grundlage zu machen und das 
Copiren nach lithographirten modernen tiguralischen und landschaftlichen 
Vorlagen direct zu verbieten. Mit Vergnügen hören wir, dass man in 
Graz damit umgeht, schon in diesem Jahre einen Zeichner - die Wahl 
ist auf Herrn Winfr. Zimmermann, einen sehr geschickten Zeichner, 
gefallen - für ein Mustercomptoir anzustellen, die_ sogenannte landschaß- 
liche Akademie in eine Gewerbeschule in Verbindung mit dem Kunst- 
indnstrievereine und dem Gewerbevereine umzugestalten. Der Gewerbe- 
verein selbst wird aus den auf der Ausstellung gewonnenen Erfahrungen 
die Ueberzeugung entnommen haben, dass die Politik und Alles was 
daran hängt, nicht seine Aufgabe ist, und dass er eine patriotische Pflicht 
erüillt, wenn er das Feld seiner eigensten Wirksamkeit sorgfältig und 
ausschliesslich pflegt. , 
Auch einzelne industrielle Etablissements scheinen, wie die Gesell- 
schaß „Leykam", die Möbelfabrik von Gebrüder Trieb und Eysn u. s. f, 
Gebiete der Industrie betreten zu wollen, auf denen man keinen Schritt 
vorwärts thun kann, ohne tüchtige kunstgehildete Zeichner zur Verfügung 
zu haben. V 
Ein anderer sehr_ wesentlicher Punkt, Kunstindustrie zu üirdern, 
besteht darin, die passenden Gelegenheiten richtig zu benützen. Was 
Steiermark und Kruin (mit Ausnahme von A. Samassa aus Laibaeh) auf 
dem Gebiete der Paramente und Kircheneinriehtung ausgestellt hat, zeigt 
deutlich, dass die Geistlichkeit in jenen Ländern kauft und bestellt, ohne 
eine Ahnung von dem zu haben, was sie soll und was sie zu fordern berufen 
wäre. Es wäre auch sehr interessant zu erfahren, mit welchem Kunstver- 
ständnisse die steirischen Landstände und Commnnen bei Durchführung 
von Aufgaben vorgehen, mit denen die Fliege der Kunst unlösbar verbunden 
ist. Denn es würde aller Zeichenunterricht, alle Kunstpdege in der Schule 
nichts nützen, wenn man jene Gelegenheit vorübergehen liesse, bei denen 
Kunsthandwerker und Künstler verwendet werden müssen. Die Erziehung 
des Volkes zur Kunst geschieht am besten dadurch, dass man jene Ge- 
legenheiten zur Bethätigung einer Kunstübung benützt. Nürnberg und 
Augsburg, Florenz und Köln verdanken ihre Kunstblüthe in den Jahr- 
hunderten des Mittelalters und der Renaissance in erster Linie der Ver- 
bindung der Kunst mit dem Leben bei allen jenen Werken, welche 
Kirche und Gemeinde errichten liessen. Wo aber Kirchenvorstände ihre 
Freude und innere Befriedigung nicht an ernster gediegener Kunst, son- 
dern an barockem halbtheatralischen Flitterwerke, die Gemeinden nur 
an entgeisteten Nützlichkeitsbauten haben, da gedeiht - wie in man- 
chen Kronländern des österreichischen Kaiserstaates -- weder Kunst noch 
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