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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1870 / 62)

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die uns das grosse Gebiet mnrkiren, welches sich diese junge wissenschaftliche 
Kunst schon erobert hat. 
Es zählt erst nach Wochen, dass unser Aller Interesse hoch erregt war 
durch eine astronomische Erscheinung, die, wenn auch nicht zu den seltenen an 
sich gehörend, doch selten war durch die Vollkommenheit, in der sie sich zeigte. 
Die letzte totale Sonncnfinsterniss lockte eine Anzahl Gelehrter weit weg von 
ihren Wohnsitzeu zur Beobachtung und wissenschaftlichen Controle des Phänomens. 
Wir diirfen uns freuen, dass auch Oesterreich auf der Warte stand, und 
wir erinnern uns, dass das Programm dieser Beobachtungen in erster Reihe photo- 
graphische Aufnahmen der Erscheinung mit enthielt. 
Sie sind mit bestem Erfolge gemacht worden, und obwohl die dazu beniitzbare 
Zeit kaum drei Minuten betrug, so reichte sie Gir die Empfindlichkeit der verbes- 
serten Methode doch hin, vollständig gelungene Negative zu erhalten, die den 
Moment der totalen Veriinsterung und des Anblicke der Corona und der Protu- 
heranzen verewigen. 
Man macht auf dem Observatorium in Kew schon seit einigen Jahren 
täglich mehrere photographische Aufnahmen der Sonne und erhält dadurch die 
allerwerthvollstcn Anhaltspunkte zur Benrtheiluug und Erklärung der Sonnen- 
decken. 
Man sucht auf diese Weise sogar nach einem Beweise fir L everrier's durch 
Rechnung gefundene Annahme, dass zwischen der Sonne und dem Merkur noch 
Planeten existiren, insofern man erwartet, dass sich der Schatten dieser Himmels- 
körper auf der Sonne abzeichnen und in Sonnenphotographien verfolghar sein 
TIJIIBBÜ. 
Das photographische Instrument hierzu, der Photoheliograph, ist auf das 
sinnreichste eingerichtet. 
Man hat den Mond, die Planeten, die Fixsterne und die Kometen photo- 
graphirt, und wir haben nun Bilder von ihnen von absoluter Treue, die alle 
früher gezeichneten weit hinter sich lassen. 
Allein Sie zweifeln, dass unsere gewöhnlichen Apparate, die herstellbaren 
Dimensionen der Linsen vor Allem, es möglich mschen, von diesen so ungeheuer 
entfernten Objecten ein nur eiuigermassen brauchbares Bild zu erhalten, denn, 
werfen Sie sehr richtig ein, die Verhältnisse dieser Objecte müssten, du die 
Camera doch nur ein sehr verkleinertes Abbild geben kann, zum völlig winzigen, 
Ununtersclicidbarcn zusammenfliessen. 
Dieser Einwilrf ist völlig gegründet, allein es gelingt nach zwei optischen 
Methoden, diese kleinen Bilder auch wieder zu vergrössern. Für's erste können 
wir dazu das Mikroskop benütze und das kleine Mondbild dadurch analysircn. 
Das Mikroskop wird uns dadurdz zum Teleskop, und es ist das gewiss eine der 
sinnigsten Umkehrungen gewöhnlicher teleskopischer Beobachtungen. 
Spielereien dieses Genres sind die kleinen mikroskopischen Bilder, die man 
iu eine Stenhop'sche Loupe fasst und wie Berlocken an der Uhrkette trägt. 
Für's Zweite lassen sich Photographien vergrössern mittelst eines Apparates, 
iihnlich demjenigen, der Sie mit seinen Nebelbildern oder Dissolwing views gewiss 
schon oft unterhalten hat. 
Auch dieser Apparat, die sogenannte Laterne mngica, ist gleich der Camera 
obscursa, aus der Reihe der Spielzeuge getreten und zu unerwarteter Bedeutung 
gelangt. 
Ich brauche nicht erst besonders zu bemerken, dass die lebensgrossen 
Brustbililcr, die wir jetzt an allen Strassenecken sehen und die oft überraschend 
schön sind, nichts anderes sind, als hinterher vergrösscrte kleine Visitenkarten- 
porträts.
	        

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