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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1870 / 62)

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Weiber und Kinder, vornehme und Niedrige, Sclaven oder Neger vor- 
stcllend, sind gross und hinsichtlich ihrer Bekleidung bis ins Detail aus- 
geführt. Ausserdem begegnen uns in diesen Gemälden verschiedene Thier- 
liguren, wie Pferde, gezäumte und gesattelte Kameele, Vögel; ferner 
Pflanzen, Geriithsohaften verschiedener Gattungen und Formen, als: 
Stühle, Betten, Glasgefässe (Ampeln, Luster, Trinkbecher, Flaschen, Va- 
sen) und Musikinstrumente. 
Unter den vorgeführten Actionen des täglichen Lebens gehen die 
Trinkgelage der siindhaften Korangläubigen hier im Bilde Hand in Hand 
mit vielen anderen durch das Wort arabischer Dichter überlieferten 
Hymnen auf den Wein und dessen Vortreiflichkeit. Interessant und histo- 
risch merkwürdig ist ein Gemälde, worauf im Innern einer mit Säulen 
und Lampen geschmückten Moschee der abbasidische Imäm, in dessen 
historisch schwarzer Kleidung allerdings nur der Schalk Abu Seid von 
Serug steckt, von der Kanzel (minber) herab die knieenden Gläubigen 
anredet. Neben dem Imäm ist die schwarze Fahne (liwä) der Abbasiden 
aufgepilanzt ß). Nicht minder anziehend sind einige Bilder mit Zeltlagern 
in der WVüste oder mit den langsam dahinzielienden „Schill'cn" derselben, 
deren Passagiere weit behaglicher zu reisen scheinen, als in den kleinen 
engen Segelfahrzeugen die durch ihre nationale Weinpoesie dem zweiten 
Element vielleicht mehr entfremdeten Reisegenossen. 
Obwohl hinsichtlich der Technik der Bilder auch für den Maler das 
arabische Sprichwort, dass Jeder der Sohn sciner Zeit sei, gilt, so sind 
sie doch überaus lehrreich Hir die Geschichte der Malerei: namentlich 
im Vergleich zur damaligen persischen und christlich europäischen Maler- 
kunst bieten sie uns sehr belangreicbe neue und überraschende Gesichts- 
punkte. 
Gleich wichtig aber sind für uns noch, gegenüber den in Wien, 
Nürnberg, London und andern Orten aufbewahrten Ueberresten orien- 
talischer Gewebe und deren Imitirungen, die in diesen Bildern durch 
Zeichnung und Farbe so mannigfach vorgeführten Kleiderformen und 
Musterungen ihrer Steife. Letztere treffen wir von der einfachsten Art 
bis zu den prächtigsten Goldbrocaten mit Ptianzen- und Vogelbildem, 
geschmackvollen Arabesken und Inschriften. Turhanbinden von Musselin 
(schäsch) mit eingewebten Titeln (marküm bi-l-alkäb), Teppiche, endlich 
Vorhänge mit Inschriftenstreifen werden uns gleichfalls hier mehrfach 
geboten. Um nur kurz zu bemerken, finde ich eben in den StoBinschriftL-n 
') „Unrl als sie ihm (dem ersten Abbusiüen) gehuldigt hatten, bestieg er schwarz 
gekleidet die Kanzel und redete zu dem Volke" (El-Mxkin, Hist. Sxrac. 94). Die erste 
von den Abbasiden zu Emissionuwecken nach Chorauu gesandte schwarze Fahne soll 
auf einer 19 Ellen hohen Lanze (ramh) befeatigt gewesen sein und den Namen Thall 
geführt haben.
	        

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