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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1870 / 62)

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man cine Lösung von salpetersaurem Silber mit einer Lösung von Chlorkalium, 
Bromkalium und Jodkalium zusanimenbringt. Alle drei fallen wegen ihrer Unlös- 
lichkeit sofort als schwere Niederschläge aus den zusamxnengebrachten Flüssig- 
keiten heraus. Das Chlorsilber ist absolut weiss, das Brornsilber hat einen gelb- 
lichen Stich, schon entschieden blsssgelb ist das Jodsilber. 
Wenn man nun diese drei Niederschläge, gerade so wie sie entstanden sind, 
mit der bedeckenden Fliissigkeitsschichte dem Licht anssetzt, so bemerkt man, dass 
sie sich färben. 
Allein die Färbung dieser drei Verbindungen ist nicht gleich, weder in 
Betreff der Farbennnance, noch in Betreß der Schnelligkeit des sich Färbens 
überhaupt. 
Am schnellsten und intensivsten färbt sich das weisse Cblorsilber. Es wird 
schnell violett, grau und zuletzt schwarz. 
Bromsilber färbt sich langsamer nnd nur bis zu einem blassgrau-violet- 
ten Tone. 
Am langsamsten farbt sich das Jodsilber, welches griinlichgrau wird. 
Worin bestehen nun diese Färbungen, und sind sie bei allen diesen Silber- 
präparaten von gleicher Natur, d. h. wirkliche Zersetzung in correspondirende 
Besbandtbeile ? 
Diese Frage zu lösen, bot gewisse Schwierigkeiten aus Gründen, die ich 
jedoch, ohne zu weitschweiüg zu werden, nicht ausführen kann. Sie ist in Wahr- 
heit erst in unseren Tagen gelöst wurden, und die Antwort ist folgende: 
Wenn Chlorsilber dem Lichte ausgesetzt sich färbt, so dass es zuletzt gan 
schwarz wird, so zerfallt es hierbei. Jedoch nicht, wie man lange Zeit annahm, 
in freies Silber und freies Chlor, sondern in eine niedrigere Chlorverbindung, ein 
sogenanntes Subchlorid und Chlor. Das ist durch genaue Versuche jetzt erwiesen. 
In derselben Weise zersetzt sich das Bromsilber. 
Es tritt Brom aus und es hinterbleibt ein silberreicheres Snbbromiir, allein 
es wird so wenig wie beim Chlorsilber freies Silber ausgeschieden. 
Wäre das letztere der Fall, so miissts sich das freie Silber aus solchen im 
Licht veränderten Präparaten mit Salpetersäure ausziehen lassen, was nicht 
gelingt. 
Wohl aber lässt sich das frei gewordene Chlor und Brom als solches nach- 
weisen. 
Beim Jodsilber ist das Verhilltniss etwas anders. 
Wenn man Jodsilber ans Jodkaliurn und salpetersanrem Silber darstellt, so 
bemerkt man vorerst, dass das Präparat nicht ganz gleich ist, je nachdem man 
bei der Darstellung und Fällung das Silbersalz oder das Jodsalz verwalten liisst. 
Ist die Silberlösung vorwaltend, so ist der Niederschlag käsig, (lockig und 
er farbt sich im Licht griinlichgran. 
Waltet die Jodksliumlösnug vor, so ist der Niederschlag pulvrig, und er 
bleibt im Lichte unverändert, er färbt sich gar nicht. 
Es lässt sich auch im belichteten Jodsilber keine Spur freies Jod nachweisen, 
noch beweisen, dass sich eine andere Verbindungsstufe zwischen Jod und Silber 
gebildet hat. 
Aber nichtsdestoweniger ist eine Veränderung mit dem Jodsilber im Lichte 
vorgegangen, die man eine blos physikalische nennen könnte, wenn nicht das 
Verhalten gewisser Substanzen, die eine Neigung haben, freies Jod zu absor- 
biren, doch dafür spräche, dass sie auch eine chemische war. 
Belichtetes Jodsilber mit solchen Substanzen, wie salpetersanres Silber, 
Zinnchlorid, arseniksaures Natron, Tannin n. s. w. zusammengebracht, macht 
nämlich rasch einen Zerselznngsprocess in dem Sinnc wie Chlor- und Bromsilber
	        

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