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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 64)

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einer Malerei wie Sculptur. Bemerkenswerth bleibt, was J. v. Tscbudi 
mittheilt: „In Cuzco und den umliegenden Provinzen beschäftigen sich 
viele Indianer mit Oelmalerei, in der sie freilich keine Meisterwerke lie- 
fern; wenn man aber in den Kirchen an den Altarblättern ihre Leistun- 
gen betrachtet und bedenkt, dass diese Künstler ohne die mindeste An- 
leitung oder Vorbildung und überdies mit sehr rohen Materialien malten, 
so muss man ihnen grosses Talent zugestehen, das unter gehöriger Lei- 
tung sich weit über die Mittelmiissigkeit erheben würde." Ihre Lieblings- 
farbe, die auch an den Gewändern am öftersten erscheint, ist die blaue. 
Derselbe Kenner des Landes und Volkes von Pern rühmt, zum 
Theil im Gegensatz zu den Ansichten anderer, ihre Geschicklichkeit in 
Goldschmiedarbeiten, dem eigentlichen Gebiete peruanischer Kunst. In 
Ayacucho fertigt man Gefässe und Figuren von Silberdraht, also wahr- 
scheinlich mit Filigranscbmuck. In Jsoja liefern Indianer sehr schöne 
Eisenarbeiten, bei den Serranos blüht eine förmliche Hufeisenindustrie; 
Sattelzeug und andere Lederwaren kommen besser und wchlfeiler von 
dort auf den Markt nach Lima, als man Erzeugnisse aus dieser Stadt 
selber kauft. Ferner ist neben der Fertigung von Steigbügeln und Ge- 
fassen aus Holz und Korbwaeren noch der Weberei zu gedenken, über 
welche Tschudi folgendes mittheilt: 
„In Jarma und seinen Umgebungen weben die Indianer Steife von 
vorzüglicher Feinheit. Es gibt Ponchos von Vicunawolle oder Zwirn, 
die mit 100-120 Thalern bezahlt werden und die feinsten europäischen 
Gewebe übertreffen; es scheint unbegreiflich, wenn man die rohe Vor- 
richtung kennt, deren sich die Eingeborenen zum Weben bedienen. In 
irgend einem Winkel seiner Hütte spannt der Indianer die Fäden an 
eine Leiste in der Mauer, vereinigt alle in einer andern Leiste, die er 
sich um den Leib bindet, setzt sich auf die Erde und schiebt ein glattes 
Hölzchen, das die Stelle des Schiffes vertritt, mit dem Faden von der 
einen zur andern Seite. Auf diese Weise, nur mit geringer Abänderung 
in der Anordnung der Faden, wirkt er verschiedene Farben, Figuren 
und Inschriften in die Stoffe und arbeitet dabei mit einer Schnelligkeit, 
die der auf ordentlichen Webestühlen beinahe gleichkommt. Die werth 
vollsten Gewebe, die sie verfertigen, sind die aus der feinen Wolle von 
Vicunas, Alpacos und Viscschas; doch machen sie auch viele, sehr ge- 
schätzte, aus Baumwolle oder Seide." A. Ilg. 
Zur Ausstellung des Museums. Ä 
Die Direction des Oesterr. Museums hat an sämmtliche Aussteller 
das nschstehenrle Schreiben erlassen: 
Nach einer dem Curatorium das Museums durch Se. k. Hoheit den 
Herrn Erzherzog Rainer zugekommenen Mittheiluug hat Se. Majestät
	        

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