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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 65)

rische Haltung zu bewahren, aber sie folgten eben nur dem allgemeinen 
Geschmack und machten sich nicht von dem Vorgang einer Fabrik des 
Auslandes und von ihren Mustern abhängig. Die schwedischen Fayen- 
cen des achtzehnten Jahrhunderts stehen auf gleicher Höhe neben allen 
anderen jener Zeit, ja die Rieliefblumen von Marieberg nähern sich viel- 
leicht von allen am meisten den ähnlichen Porzellanarbeiten an Schärfe 
und Feinheit. Heute sind auch in Schweden, wie fast überall, die Fayencen 
dem Porzellan gewichen, und jene Spccialität der Reliefblumen ist auf 
das Biscuit von Gustavsberg übergegangen. Diese Porzellanfabrik leistet 
in zarten, die Natur nachahmcnden Blumen Wunderbares; aber es ist das 
ein ziemlich unfrucbtbares Genre, das technisch zur Bewunderung zwingt, 
hier und da auch einen Liebhaber findet, aber für die Industrie bedeu- 
tungslos ist. Was wir sunst an Arbeiten der Porzellanfabriken von Bör- 
strand oder Gustavsberg zahlreich gesehen haben, zeigt in keiner Weise 
Eigenthümlicbkeiten oder besondere Schönheiten. 
Dasselbe ist es wohl mit den Arbeiten in Holz, zumal mit den Mö- 
beln, soweit sie für den Bedarf der Städte, der Schlösser oder der wohl- 
habenden und gebildeten Classe überhaupt zu sorgen haben. Dieser Fabrika- 
zweig thnt auch nichts weiter, als eben für den Bedarf zu sorgen und 
halt sich dabei innerhalb der modernen Schablone. 
YVenn man aber bedenkt, welche Bedeutung das Holz für Scandi- 
navien hat, dass die Häuser auf dem Lande und zahlreich in den Städten, 
ja, die grösseren Städte ausgenommen, auch hier der Regel nach aus 
Holz gebaut sind, wenn man bedenkt, zu welchem reizvollen Schmucke 
dieses Material bei solchen Bauten fuhren kann, so muss man sagen, dass 
diese Industrie oder dieses Gewerbe künstlerisch durchaus nicht auf der 
Höhe dessen steht, was geleistet werden könnte. Die hölzernen Häuser, 
blockhausartig gezimmert und roth. angestrichen, sind im Uebrigen durch- 
gängig schmucklos und lassen erkennen, dass den Bewohnern der Sinn 
für ornamentale Reize, also für künstlerische Lebensverschöm-rung, abgeht. 
Und doch muss es einstmals anders gewesen sein, wie wir aus nicht sel- 
tenen Ueberbleibseln alter Holzschnitzereien, die von Möbeln und Hausorna- 
ruentation herstammeiu, erkennen mögen. Zeugedessen ist auch jenes Bauern- 
haus aus Dalekarlien, in welchem einst GustavWVnsa vor den verfolgenden 
Dänen gerettet wurde. Die getreue Copie dieses Hauses, die jetzt 
den königlichen Garten von Ulriksdal ziert, ist den Besuchern der Pariser 
Ausstellung wohlbekannt. 
' Von der modernen Weberei Schwedens, soweit sie ornamentales 
Interesse hat, wüssten wir noch weniger zu sagen; sie folgt den anders- 
wo gegebenen Mustern und bleibt eher hinter der Mode zurück, als dass 
sie auf voller Höhe sich befände oder ihren eigenen Weg ginge. Doch 
merkt man wohl den Auslagen der Kaufläden an, dass man in Schwe- 
den Farbe liebt, und das ist immer eine gute Eigenschaft, mit dersicb
	        

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