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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 72)

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dienen. Ihre Ausstellung ist aber weit entfernt von irgend einer Voll- 
ständigkeit, ja sie kann sich in keiner Weise mit. dem vergleichen, was 
die Pariser Ausstellung von 1867.uns sehen liess. Dennoch wollen wir 
das Interesse nicht unterschätzen, welches uns diese Abtheilung gewährt, 
und die Originalität, die Neuheit, die Richtigkeit und Schönheit der or- 
namentalen Motive auf den spanischen, türkischen und österreichischen 
Geweben der Donauländer, welche vorzugsweise diese Abtheilung bilden, 
nicht unerwähnt lassen. Ihre Bedeutung für die moderne Industrie ist 
noch lange nicht genug anerkannt noch ausgebeutet worden. 
Weit grossartiger, weit einheitlicher und vollständiger auch ist der 
Eindruck, den uns die Ausstellung der Poterien macht. Wenn wir die 
lange Reihe der Säle, die ihnen in einer Folge gewidmet sind, durch- 
wandern, so will es uns auf den ersten Blick scheinen, als ob hier einmal 
eine Ausstellung ganz grundsatzxnässig mit voller Kenntniss und sicherer 
Beherrschung der Sache gemacht sei. Wenn wir aber weiter gehen, so 
machen wir die Wahrnehmung, dass es auch sonst vieler Orten noch 
Poterien gibt, und dass genau dieselben Gegenstände oben unter den 
„Fine arts" sich befinden, welche unten in den Hallen dem „Industrial 
department" angehören. Derartigen Inconsequenzen begegnen wir auf 
Schritt und Tritt. 
Fragen wir nun weiter nach den Ländern, welche zu dieser Aus- 
stellung beigetragen haben, so ist es (von der separirten französischen 
Abtheilung abgesehen) fast einzig England, welches den Inhalt dieser 
grossen Gruppe bildet und neben England noch "Her lirlajestys Commis- 
sioners", welche sehr häufig als Aussteller fungiren, oder richtiger gesagt, 
das Soutb-Kensington-Museum, welches mit seinen reichhaltigen Samm- 
lungen in die allzuklaEenden Lücken eirgetreten ist. So überwältigend 
ist der Eindruck, den die englischen Arbeiten im Verhältniss zu den 
fremden machen. 
Das Wenige, was andere Länder zu dieser Poterienausstellung bei- 
getragen haben, verschwindet noch mehr dadurch, dass es in Folge der 
beliebten sachlichen Anordnung unter das englische Fabricat eingereiht 
ist. Selbst die Arbeiten einer und derselben Fabrik und von demselben 
Material, wie z. B. der Berliner Fabrik, stehen nicht beisammen. Neben 
dieser, der königlichen Porcellanfabrik in Berlin, welche sich selbst, von 
der Zerstreutheir der Gegenstände abgesehen, würdig repräsentirt hat, 
sind es nur noch wenige Namen aus der Fremde, denen wir in den Po- 
teriesälen begegnen: March zu Charlottenburg bei Berlin, einige Fabriken 
von Kopenhagen und Stockholm, aus Oesterreich Fischer von Herend, 
Brausewetter, Klammert und Slowalr. Das dürfte, wenn nicht alles, doch 
so ziemlich ktllttä sein, was im eigenen Namen gesendet und ausgestellt hat. 
Ausserdem gibt es allerdings italienische, spanische, marokkanische, tür- 
kische und andere 'l'honwaaren, die aber so ziemlich alle nur den sehr
	        

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