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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 72)

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aussehen, und zahlreiche mit Figuren und sonst mit Relief geschmückte 
Gegenstände ganz dem Geschlecht der Scbein- und Prunkvasen angehören. 
Ausgestellt in diesem Genre haben so ziemlich ausnahmslos alle eng- 
lischen Thonwaarentabrikanten. 
Ich habe dieses Genre als eine gemischte Imitation der Palissy- 
arbeiten und der echten Majolica bezeichnet, künstlerisch betrachtet steht 
es aber hinter beiden zurück, sowohl in der Farbe wie in der Form. 
Man sieht nur zu deutlich, dass wir in einer Zeit leben, in welcher das 
Gute und wirklich Schöne wohl wieder zur Schätzung gelangt, in welcher 
das Verständniss wohl wieder anfängt, dass wir jedoch im Allgemeinen, 
das Ganze überschlagend, noch sehr fern von dem Besitz eines reinen und 
guten Geschmackes sind. Er ist noch lange nicht so wie im 16. Jahr- 
hundert zum Allgemeingut geworden, weder in der Industrie noch im 
Publicum. Unter diesen modernen Majoliken gibt es ohne Frage sehr 
schöne Sachen; wenn wir aber das ganze Genre als solches betrachten, 
so werden wir wohl, dem bisherigen Porcellan-Luxusgeschirr gegenüber, 
dessen Stelle es einnimmt, einen grossen Fortschritt anerkennen, nichts- 
destoweniger ist es noch lange nicht das, was zu wünschen steht. Es 
stehen ihm tiefe, satte, schmelzende Farben zu Gebote, aber es verwen- 
det sie zu bunt, zu hart und unharmoniscb. Der moderne Geschmack, 
scheint es, kann der grellen Wirkung noch nicht entsagen. Ebenso ent- 
behren die Formen der Einfachheit und Schönheit: sie sind zu complicirt, 
zu willkürlich, zu gegliedert oder künstlich, was bei solchen glasirten 
Thonwanren niemals der Fall sein sollte. 
Neben diesem gemischten Genre gibt es nun auch zahlreiche directe 
Nachahmungen der Majoliken wie der Palissyarbeiten. Namentlich sind 
die ersteren von drnen des 15. Jahrhunderts an in verschiedenen Arten 
vertreten und hier wäre auch manche gelungene Neuerung zu erwähnen. 
Ich muss das alles aber einem ausführlicheren Berichte an-anderem Orte 
vorbehalten 
Die Entwicklung der Fayencen musste umsomehr auch auf die Ge- 
staltung des Porcellans einen Einfluss ausüben, als demselben ja da- 
durch ein grosses Gebiet entzogen wurde. Dieses macht sich auch auf 
der Ausstellung geltend, nicht dadurch freilich, als ob es an Porcellan- 
gegeuständen fehlte, sondern in der Art und Gestaltung derselben. Die 
Porcellanausstellung ist glänzend genug und die Lücken machen sich 
hier weniger geltend, denn ausser den englischen Fabrikanten stehen hier 
die erwähnten österreichischen, deutschen, schwedischen und dänischen 
Fabriken, und eine jede derselben _ man muss ihnen das Zeugniss 
geben - ist nicht mit dem ersten besten erschienen, sondern hat sich 
eine würdige Erscheinung redlich angelegen sein lassen. Die königliche 
Fabrik zu Berlin hat glänzende, zum Theil grossartige und vorzüglich 
gearbeitete Sachen gesendet, wenn auch nicht alle in richtigem Geiste
	        

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