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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 73)

als Zusätze, um die Masse magerer zu machen, oder als Glasur-bestand- 
theile in Verwendung kommen. 
In diesem schlammigen Zustand müssen die Materialien nunmehr 
auch vermischt werden, wobei natürlich ganz feste Verhältnisse einge- 
halten werden müssen, um eine Masse von richtiger Beschaifenhcit zu 
erhalten. 
Um das zu erreichen, musste die Arbeit des Chemikers vorausge- 
gangen sein. 
Sie haben aus den historischen Notizen, die ich eindiessen liess, ent- 
nommen, dass die Porcellanmassen durch ganz empirisches Probiren ver- 
schiedener Mischungen gefunden sind, und gefunden sein mussten zu 
einer Zeit, wo man keines der verwandten Materialien eigentlich scharf 
qualitativ und quantitativ zu analysiren verstand. 
Ein geordneter Betrieb mit einer einmal so ausprobirten Masse und 
durch zahlreiche Versuche ermittelten Verhältnissen der Bestandtheile 
hing ausserardeutlich vom Zufall ab, insofern eine, durch das Ansehen 
oft nicht erkennbare veränderte Zusammensetzung der Rohmaterialien, 
die javielleicht von verschiedenen Orten her konnten bezogen werden, 
schon Differenzen im Verhalten und in der Güte konnte zur Folge haben, 
die, um sie zu corrigiren, eine neue grosse Versuchsreihe erforderte, die 
die ganze Arbeit unterbrechen konnte. V 
Diesen Störungen ist man heute nicht mehr ausgesetzt. Dadurch 
dass man die Massen und Glasuren der vorzüglichsten Porcellansorten 
auf's genaueste analysirt hat, dass man ferner genau die Zusammensetzung 
der Kaoline und Flussmittel ermittelte, fand man die Anhaltspunkte zu 
einer Rechnung, die ganz scharf von der bekannten Zusammensetzung 
der Materialien einen Schluss zu machen gestattet auf die Zusammen- 
setzung und die dadurch bestimmten Eigenschaften der Porcellsnmasse, 
die man durch ihre Mischung und Verarbeitung erhält. 
Der Chemiker der Fabrik analysirt also zuerst ein Musterporcellan, 
er analysirt seinen Kaolin und seine Flussmittel, und danach berechnet 
er, wie viel von den Materalien er zusammenmischen muss, um die rich- 
tige gewünschte Masse zu erzielen. 
S0 lange er mit demselben Material arbeitet, genügt eine Vorarbeit 
dieser Art, die ihn zu einem Recept für den Betrieb führt, oder zu einer 
Formel, die sich erst ändert, wenn er ein anderes Material zu verwenden 
hat, dessen Zusammensetzung abweichend ist. 
Um die wissenschaftliche Erforschung dieser Verhältnisse, um die 
ganze hierauf basirte Theorie der Porcellan- und Thonfabrikation überhaupt 
haben sich besonders zwei französische Chemiker unvergiingliche Ver- 
dienste erworben: Brongniart und Salvetat, ausgezeichneteGelehrte, die als 
Directoren der berühmten Fabrik in Sevres gewirkt haben und deren 
Nachfolger heute der geniale Regnault ist. Erst durdx sie hat die Erfin-
	        

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