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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 73)

„schwindet". Ein zu schnelles Trocknen stört das richtige Verhältniss 
der capillaren Fortbewegung der Feuchtigkeit aus dem Innern an die 
Oberdäche, die Waare schwindet unregelmässig und bekommt Risse, oder 
die äussere Kruste wird zu schnell dicht und verhindert den Austritt 
des Wassers, das sich hinterher im Ofen mit Gewalt einen Ausweg 
suchen muss, und die Waare zerherstet oder springt. 
Es ist klar, dass auf das Schwinden derselben schon gerechnet ist, 
und die Gegenstände sämmtlich um ein geringes grösssr geformt werden, 
als sie fertig sein sollten. 
Auf langen Brettern und Etagen mit mögliehster Raumersparniss 
geschichtet und_geordnet, belinden sich die zahllosen Gefasse, die aus der 
Formwerkstatt hervorgehen. 
Sie sind nun nach dem Trocknen hegreiflicherweise sehr gebrech- 
lich, matt, porös, von einem hohlen Klang, wenn man sie anklopft. 
Nunmehr ist die Aufgabe, sie hart, klingend und glatt zu machen, 
und wir wissen schon, dass das durch das Brennen und Glasiren ge- 
schieht. Wir erinnern uns auch, welche Function die Glasur hat, aus 
welchen Materialien sie dargestellt, und wie sich ihr Schmelzpunkt zum 
Erweichungspunkt der Masse verhalten muss. 
Sie ist für Porcellan in jedem Falle ein schwer schmelzbares Glas, 
welches aus Quarz und Feldspath, oder an sich quarzigem Feldspath, und 
ein solches ist der sogenannte Pegmatit, den man besonders in Sevres 
benützt, hergestellt wird. 
Der Verwendung eines Glasursatzes fixr einen ganzen Brand gehen 
immer Proben voraus, die man vorweg auf Scherben anstellt, nach denen 
man an den Mischungsverhältnissen noch ändern kann. Im übrigen 
müssen die Materialien dazu auf denselben Grad mechanischer Verthei- 
lung gebracht sein, wie die Flussmittel, in deren Kategorie sie ja auch 
gehören, sie werden gemahlen und geschlammt und befinden sich in Kü- 
beln mit Wasser, zu einem rahmartig dünnen Schlamm aufgerübrt, zur 
Verwendung bereit. ' 
Im Mittel besteht die Glasur etwa aus 73 Theilen Kieselsäure, 16 
Theilen Thonerde und 8-8,?) Theilen Kali. 
Ist es eine Kalkglasur, von der auch schon die Rede war, so ist 
das Verhältniss etwa 6-1 Kieselsäure, 10 Thonerde, 21 Kalk, 5 Alkali. 
Die Berliner Glasur besteht aus 14 Gyps, 43 Quarz, 12 Porcellan- 
scherben, 31 Kaolin. 
Dass man die einzelnen Bestandtheile aus verschiedenen Materialien 
beziehen und diese zu einem Recept berechnen kann, ist klar. In diesem 
Stücke arbeitet fast jede Fabrik nach eigenen erfundenen, berechneten 
oder überkommenen Vorschriften. 
Es handelt sich nun darum, eine möglichst gleichförmig dünne
	        

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