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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 73)

der Masse und ihrer Formgehung die dritte wichtigste Operation. Die 
Oefen, denn meist hat die Fabrik deren wenigstens zwei, um, im Falie 
Reparaturen nöthig sind, die Arbeit nicht ganz einstellen zu müssen, sind 
meistens inmitten der Gebäude so angebracht, dass die überschüssige 
Wärme noch fur die Troclrenstuben verwendet werden kann. 
Sie sind (und die Zeichnung kommt unserer Vorstellung zu Hilfe) 
zylindrisch, thurmartig, haben mehrere Stockwerke oder Etagen, in 
denen die Hitze verschieden hoch ist, die durch mehrere seitlich ange- 
brachte Feuerungen im Ofen erzeugt wird, und sich durch Löcher in den 
Wölbungen der einzelnen Brennraume in die Höhe zieht. Von der 
letzten Etage aus verjüngt sich der Ofen konisch, trichter- oder dachtiirmig 
und seine Oeifnung von der Spitze ist mit einer Klappe so verschiessbar, 
dass dadurch eine Regulimng des Zugs bewerkstelligt werden kann. 
Zu jeder Etage führen Thüren, durch die die'Waare eingebracht 
und ausgenommen wird; die Oonstruction des Ofens geschieht aus dem 
feuerfestesten Material, welches sich herstellen lässt, und ein System 
eiserner Reifen, Stangen und Spreizen hält ihn überdies von Anssen zu- 
sammen, und sichert ihm eine grössere Dauer. 
Man feuert am liebsten mit leichtem, weichem, in dünne lange 
Scheite gespaltenen Holze, welches mit langer leckender Flamme bei 
starkstem Zug verbrennt, die durch seitliche Ordnungen in den Ofen ein- 
tritt und dort die säulenförmig aufgeschichteten Kapseln umspielt, in denen 
sich die zu brennenden Waaren befinden. 
Indessen hat man auch in neuerer Zeit die Porcellanöfen fir an- 
dere Heizmaterialien eingerichtet, und gerade der Meissuer ist ein mit 
Steinkohlen beschickter, ist tünfschürrig, hat drei Etagen, die unterste 
zum Gutbrennen, die mittlere zum Verglühen, die obere zum "Kapsel- 
brennen. 
Das Brennen des Porcellans ist diejenige Phase im Betrieb, wo am 
allerleichtesten Störungen und eine Gefährdung der Waare eintreten kann, 
und sie kann darum nicht sorgfältig genug überwacht werden. 
Selbst ganz unvorhersehbare Eintiüsseg wie Wind und Wetter. 
können den Erfolg precär machen. Die Einwirkung der Flammengase, 
ferner die Dauer der Brennzeit, die gleichmässige Befeuerung sämmtlicher 
Feuerungen u. dgl. sind die Hauptmomente, die einer unausgesetztcn Auf- 
merksamkeit bedürfen. 
Ist die Temperatur zu hoch, so verziehen oder verschmelzen die 
Stücke, die Kapselsäulen biegen sich oder stürzen wohl gar um. 
Ist aber dagegen die Temperatur zu niedrig, so schmilzt die Glasur 
nicht vollständig _und wird rissig. Die Dauer und Stärke des Brandes 
bedingt ferner den richtigen Farbenton, der normal jenes eigenthümliche 
Milcbweiss ist, der aber in's Blauwcisse übergeht, wenn der Brand zu 
sClHViIClI War.
	        

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