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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 73)

Der Feuchtigkeitsgehalt des Brennmaterials, und die Natur der beim 
Brennen entstehenden Gase verdienen die grösste Berücksichtigung. In 
iedern Falle müssen, arbeitet man nicht mit Holz, welches die ungefähr- 
lichsten Flammengase gibt, die Kapseln auf das sorgtiiltigste mit Thors 
verklebt werden, um zu verhindern, dass sie das Geschirr treffen;- denn 
wenn auch noch die Weisse desselben nicht immer leidet (obwohl auch 
oft ein gewisser gelblicher Ton dadurch entsteht), so werden doch gewisse 
Farben, die, wie Sie bald hören sollen, unter der Glasur eingebrannt 
werden, davon wesentlich atiicirt, besonders das Blau wird Schwarz. 
Torf hat sich als Heizmaterial ganz untauglich erwiesen. 
Am unsehädlichsten werden" die Heizgase namentlich von Braun- 
und Steinkohlen, wenn man sich der Siememfschen Generatorconstruction, 
d. h. einer eigentlichen Gasfeuerung, bedient, für welche zum Zwecke 
der Porcellanfabrication besonders Venier einen Ofen beschrieben hat, 
mit dem man in Meissen vorzügliche Erfahrungen gemacht hat. Auch 
in Berlin ist man daran, sie nach sehr günstigen vorläufigen Versuchen 
einzuführen, und in der Fabrik von Hardmuth bei Budweis bedient man 
sich ihrer schon einige Zeit lang mit einer Ersparniss von 2095 Brenn- 
material gegen früher. (Venier's Ofen, Dinglefs Journal 175. 42; ver- 
gleiche auch Musprat II. 424 und 332.) 
Man beginnt den Brand zunächst nur in einem Brennraum, während 
die F euerraume des zweiten dicht verschlossen sind. 
Erst etwa eine Stunde vor dem Zeitpunkt, wo die Waare im unteren 
Ofen ganz gar gebrannt ist, öffnet man die Feuerungen im oberen und 
gibt anfangs nur ein kleines Feuer. Man schliesst nun die untere und 
steigert in dem oberen Raum das Feuer bis zur stärksten Glutb. 
Diese Gluth und ihre Wirkung beurtheilt man nach Probeobjecten 
oder Probescherben, die durch eine eigene Oeifnung im Öfen leicht ein- 
geschoben, und von Zeit zu Zeit herausgenommen werden können. Man 
bringt diese Scherben, mit Glasur versehene Platten, in die zweite Reihe 
der Kapselstösse. 
Man unterscheidet die hauptsächlichsten Temperatursperioden als 
Vorfeuer oder Lavirfeuer, bei welchem der Ofen und sein Inhalt nur 
allmählig angewarrnt wird und zweitens als Scharf- oder Glattbrennfeuer, 
welches bei Rothgluth beginnt, und bis auf Weissgluth gesteigert wird. 
Die Dauer eines ganzen Brandes beträgt 22-26 Stunden. 
Haben die Prohen gezeigt, dass die Waare den gehörigen Grad der 
Erweichung erreicht hat, und die Glasur völlig glatt und glänzend ge- 
schmolzen ist, so wird das Feuer eingestellt, die Feuerlöcher verschlossen, 
und der Ofen nun auskühlen gelassen. 
Nach 8 Tagen etwa kann man auch vorsichtig die Thiire öffnen, 
um allmählig kalte Luft einslriilnun zu lassen, wonach man schliess- 
lieh den Ofen entleert und sofort mit frischer Waare neu beschiekt.
	        

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