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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 73)

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der Kleingewerbe als der Girossindustrie gibt, wie gesagt, die Ulmer 
Ausstellung das Bild eines gesunden Fortschrittes, einer regen und in- 
telligenten Thätigkeit. Und diese wird durch die Zeitumstände sehr ge- 
fördert; mehr'als je strömen von allen Seiten Aufträge zu. 
FF 
Für den Besucher der Anstalt bot auch Ulm manches Bemerkens- 
werthe. Seinen Münster kennt die ganze gebildete Kunstwelt. Trotzdem, 
dass die Reformation arg in demselben gehaust hat, erhielt sich noch sehr ' 
Vieles: die prachtvollen Glasfenster, die in ganz vortretflicher Weise 
wieder hergestellt werden, die Wappenschilder der Patrizier, die herr- 
lichen Schnitzwerke des Eltern und jüngern Syrlin. Der Hauptaltar mit 
dem Bilde Martin Schadnefs stammt von einer andern Kirche, ausser- 
dem aber hat sich noch ein Jugendbild Schaifnefs und in der Sakristei 
ein Altar mit Bildchen, gemalt von dem Bruder Martin .Schön's nach 
dessen Kupferstichen, erhalten. Eine Reihe von Grabsteinen wurde in 
verständiger Weise von dem Fusshoden auf die Wanddäche versetzt. 
In dem verdienten Gelehrten, Oberstudienrath Hassler, hat der Dom 
einen Conservstor von Einfluss, grosser Hingabe und Sachkenntniss. 
Der Rathhausbau, wenn auch etwas verwahrlost, hat sehr schöne archi- 
tektonische Details im Aeussern wie im Innern. Schöne Details haben 
sich auch an manchen städtischen Gebäuden, in der Mädchenschule auch 
treifliche Holzplafonds erhalten. 
Die Stadt ist ein Bild einer wohlhabenden Bevölkerung und für 
Reinlichkeit ist wohl gesorgt. Viele alte Biirgerhäuser haben sich noch 
erhalten, mit charakteristischen Giebeln, vorspringenden Stockwerken und 
Erkern. Noch mehr aber ist verschwunden; doch das, was vorhanden ist, 
insbesondere im Dome, bezeugt die hohe Kunstbildnng jener Zeit, in der 
es nicht nöthig war, das durch aussere Hilfsmittel zu fördern, was am 
besten aus inneren Bedürfnissen entspringt. R. v. E. 
Erster Jahresbericht der Kolssohnitlereisehule in Hnllein. 
Mit l. Octoher l. J. beginnt ein neuen Schuljahr der Bolzeehnitzereischule, 
es folgt daher laut Statuten ein kurzer Bericht iiher du Wirken und Gebahren derselben 
seit ihrer Eröffnung. 
Oenlicher Verhältnisse halber konnte die Schule statt am l. Oetuber erst am l. De- 
eember eröünet werden, und zwar mit einer Anzahl von 14 Schülern, denen aber in 
kurzer Zeit mehr folgten, so dass sich die Zahl auf 24 belief. 
Von diesen wurden 2 wegen körperlicher und geistiger Unfähigkeit wieder entlassen, 
l trat freiwillig aus, und beträgt somit die gegenwlrtige Anzahl der Schüler 21. 
Der Unterricht ist täglich, Sommers von 7-11 Uhr Vormittage und. 1-5 Uhr 
Nachmittags, Winters von 8-11 Uhr Vormittags und 1-4-5 Uhr Nachmittags. 
Die Lehrmittel fiir den ersten Unterricht fiir Freihandleichnen sind: 
Das Vorlngenwerk [für den Elementnrunterrieht im Freihandaeichnen von Prof. 
Ed. Herrltle, Stuttgart, später Tanhingefs Ornamente, Wien. 
Für Modelliren: Die von der Centrnlstelle für Gewerbe und Handel in Stuttgart 
empfohlenen, so wie die vom Oesterr. Museum Rir Kunst und Industrie in Wien bezogenen 
Gypsmodelle. 
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