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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 74)

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Wie bemerkt, entwickeln sich einige erst bei hohen Hitzegmden, 
andere ertragen diese nicht ohne an Schönheit einzubüssen, und darnuch 
unterscheidet man: 1. weiche oder Mutfelfarben, 2. harte oder Ofenfarben 
3. Gut- oder Schartfeuerfarben. 
Alle die aufgezählten Oxyde oder Farben werden mit einem Fluss- 
mittel, d. h. einem Glassatz auf's innigste gemischt, der dazu dient, die 
F arhe auf die Unterlage autizuscbmelzen. 
Sein Schmelzpunkt aber muss durch vorläuiige Proben so getroffen 
sein, dass er unterhalb des Schmelzpunktes der Glasur liegt, d. h. dass 
das Flussmittel schmilzt, während die Glasur eben weich wird und ein 
Haften ermöglicht. 
Die Ingredienzieu solcher Flussmittel oder Gläser sind verschieden und 
müssen für manche Farben qualitativ und quantitativ abgeändert werden. 
Im Allgemeinen hat man dafür die Materialien: fQuarzsand, Feldspath, 
Bleiglätte, mit Zusätzen von Borax oder Borsäure, Salpeter, Potasche, 
Soda und Wismuthoxyd. 
Die Vorschriften für die Mengenverhältnisse der Bestandlheile sind 
zahlreich und nicht durch Rechnung, sondern blos durch Versuche fest- 
zustellen. 
Die Consistenz einer Farbe tiir den Pinsel erhalten diese gefärbten 
Glassätze durch Ahreiben mit Wasser, dem etwas Gummi oder Zucker 
zugesetzt ist, oder aber, was das Gebrauchlichste ist, durch ein sehr 
reines harzfreies rectiücirtes Terpentin- odes Lavendelöl. Auch Baumöl, 
Nuss- und Mohnöl sind in Anwendung. 
Man reibt die Sätze und die Essenzen auf einer matten Glasplatte 
so lange mit dem Läufer, bis sich die Farbe verdickt. 
Sie wird mit kurzhaarigen Pinseln aufgetragen und mit langhaarigen 
breiten tiachen verstrichen. 
Oft gibt man mehr als einen Anstrich, was die Schönheit des Grundes 
besonders erhöht. 
Beim Aufschmelzen brennen die Bindemittel spurlos ab. 
Wenn wir nun in] das Maleratelier der Fabrik treten, sehen wir 
einige Künstler beschäftigt, auf verglühter poröser Waare, sogenanntem 
Biscuit, mit zunächst schwarzgrauen oder grüngrauen Farben zu malen. 
Es sind die Scharifeuerfarben, die sie auftragen, auf Geschirren oder Waaren 
also, die als solche noch eigentlich nicht fertig sind, denn sic kummen, 
nachdem sie auch noch den Glasurschlamm empfangen haben, in den 
Ofen zurück, um seiner höchsten Temperatur ausgesetzt zu werden. 
Andere Künstler aber malen auf völlig fertiger glasirter glatter 
Waarc; sie bedienen sich dazu der Schmelzfarhen, die zum Schluss nicht 
im eigentlichen Porccllanofen, sondern in einem Muifelofen eingebrannt 
werden, dessen Temperatur viel niedriger ist. 
Nicht ohne Besorgniss übergibt der Maler sein Werk dem Ofen, in
	        

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