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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VI (1871 / 74)

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dem es manchen Zufälligkeiten ausgesetzt ist. Die Farbe fliesst vielleicht 
nicht gut, ist nicht glänzend genug oder blättert gar ab. 
Das Stück wird dann oft zum zweiten, dritten, ja sogar zum vierten 
Male überarbeitet und immer wieder in die MuEel zurückgebracht. 
Kein anderer Künstler riskirt so oft die Zerstörung seines mühe- 
vollen Werkes wie der Porcellanmaler, kein anderer muss so viel mit 
Knnstgriifen zu erreichen und zu vermeiden suchen wie er. 
An einerlWaare zu unterscheiden, ob sie unter oder auf der Glasur 
bemalt sei, ist sehr leicht. Im erstern Falle ist sie durchaus glatt und 
glänzend und ihre Fläche spiegelt, im zweiten spürt der Finger schon, 
der sie überfährt, die Ungleichheit und das Auge sieht die Erhabenheit 
der von der Glasur sich abhehenden Farbe oder Decoration. 
In der neuesten Zeit Endet man viel farbig decorirtes Porcellan 
im Handel, wo Zeichnung und Farbe scharf und regelrnässig, so identisch 
zumal bei zwei gleichen Stücken, z. B. Tassen eines Services, ist, dass 
man sofort erkennt, sie können nicht durch Malen mit dem Pinsel her- 
vorgebracht sein. 
In der That sind es farbige Drucke, die mechanisch auf die Waare 
applicirt sind, ein ausserordentlieher Fortschritt eines Verfahrens, welches 
man schon lange kennt und prakticirt, welches aber bis dahin meist 
darauf beschrankt war, eintönige, mit Scharffeuerfarben (also besonders 
grün, blau und schwarz) aufein höchst dünnes geleimtes Papier von 
Knpfer- odrr Guttaperchaplatten aus abgezogene Zeichnungen oder Stiche 
auf das Porcellan oder auch auf ordinäre Wasren, Steingut u. dgl., zu 
übertragen; 
Die Farben sind mit einem Firniss angemacht, der beim Ein- 
brcnnen zerstört wird, wie die anderen Bindemittel bei den Malfarben. 
Er wird auf die WVaare vor dem Glasiren dadurch aufgetragen, dass das 
ganz gleichmässig durchfeuchtete Papier mit einem Schwamme auf die 
Waare aufgedrückt wird, wodurch die Zeichnung mittelst des Firnisse 
haftend wird. 
Das Papier weicht man durch Einlegen der Waare in Wasser ganz 
auf und nimmt es vorsichtig mit dem Schwamme weg. Man lasst dann 
trocknen, zerstört durch Verglühen den Firniss, glasirt und brennt die 
Glasur glatt, die dann die Zeichnung vollkommen schützt. Auf runden, 
bauchigen oder kugelartigeu Flächen muss die Zeichnung in Stücke zer- 
schnitten aufgetragen werden. 
Die farbigen Drucke, die man jetzt nmcht, sind mittelst Schmelz- 
farben nach Art des gewöhnlichen Farbendruckes, also mit einer, nach 
der Zahl der Farbentöne sich richtenden Anzahl von Platten hergestellt 
und auf glasirter Waare angebracht (sagen. Chromolithographie). Noch 
ist das Detail der Ausführung und die dazu nöthigen Farben und Fixir- 
mittel mehr oder weniger Fabriksgchcimniss.
	        

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