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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1872 / 77)

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Dazu gesellen sich Richtungen unserer Künstler und unserer Tech- 
niker, welche der Entwicklung der Bronzetechnik nicht förderlich sind. 
Im Geiste der Bronzetechnik zu componiren verlernten unsere Künstler; 
sie componiren für Bronzeausführung wie etwa Schwanthaler den Brunnen 
auf der Freiung, dessen Figuren eher für I-Iolz- oder Steinausführung, als 
für Bronze oder Metall passen. Wie anders behandelte noch R. Donner 
seine Formen am Brunnen am Mehlmarkt, Schlüt er seine Gestalten am 
Monumente des grossen Kurfürsten! Die nmonumentaleu Phrase hat man- 
chem modernen Künstler das Verständniss für Bronzetechnik getrübt. 
Die Franzosen haben sich von diesen ideologischen Kunstanschauungen 
nicht beirren lassen. Der deutsche Kunstmarkt vor Allem empfand lebhaft 
die Lücke in der Praxis der deutschen Künstler. 
Auch in technischer Beziehung machte man daher nur nach Einer Seite 
hin Fortschritte; in anderer Beziehung blieb man zurück, nicht blos hinter 
den Leistungen des XVI. und XVII. und XVIII. Jahrhundertes , sondern 
auch hinter den Leistungen des modernen Frankreich. In dem Masse, als 
man den rein künstlerischen Gesichtskreis durch Festhalten des Standpunk- 
tes der modernen nmonumentalenn Plastik verengte, vernachlässigte man 
Vieles, was sich auf Kunsttechnik, auf Legirung und Färbung der Me- 
talle, Patina, Vergoldung, Ciselirung, Emailtechnik und Anderes bezieht, 
dessen verständnissvolle Pflege für die Bronze d'Art unerlässlich ist. Die 
Franzosen haben sich aller dieser Kunsttechniken und Kunstzweige be- 
mächtigt , mit Geschick, mit Intelligenz und eingehendem Studium der 
Bronzen des Orientes wie des Occidentes. Dazu kömrnt noch, dass sie 
alle mechanischen reproducirenden Techniken besitzen, um wohlfeil und 
massenhaft zu erzeugen. So wenig bedeutend die Franzosen als eigent- 
lich erlindende Geister sind, so hoch ist ihr Talent anzuschlagen, wenn 
es sich darum handelt, mit den Bedürfnissen der modernen Zeit sich in 
Fühlung zu erhalten und mit eigenthümlicher Gewandtheit das zu schaffen, 
was der moderne Comfort braucht. Desswegen beherrschen sie den Markt 
mit den Bronzes d'Art vollständig und schlugen Deutsche und Oesterrei- 
cher aus dem Felde. Die besseren Bronzen für Uhren, Tafelaufsätze etc. 
werden fast alle, bis auf die jüngste Zeit, aus Frankreich bezogen. Sie 
haben ihre Bronzeateliers so eingerichtet, dass an fünf bis sechs Privatan- 
stalten Bronzegüsse für lebensgrosse Figuren gemacht werden können, 
während man in München oder Wien auf Staatssubvention angewiesen ist, 
und mit monumentalen Augen nach dem Olymp sehend, die Hände gleich- 
zeitig über den Rücken legt, wenn vornehme Private, Händler und Spe- 
culanten österreichisches Geld zur Erwerbung französischer Bronzen nach 
Paris senden. 
Wir haben daher wohl allen Grund, der Entwicklung der heimischen 
Bronzeinclustrie mit aufmerksamen Augen zu folgen, - um so mehr, als 
die Musealausstellung auf diesem Gebiete vielleicht den grössten Fortschritt 
gegen frühere Zeiten nachweist. 
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