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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1872 / 77)

Das Verdienst, auf diesem Felde das Eis gebrochen zu haben, ge- 
bührt dem jüngst verstorbenen Bronzefabrikanten David Hollenbach, 
einem Ansbacher von Geburt, der vor Jahrzehenden sich in Wien nieder- 
gelassen und um die Förderung der einheimischen Bronzefabrication die 
grössten Verdienste erworben hat. Unter den Bronzefabrikanten war er 
der erste, der Künstler benützte, Architekten, Modelleure, und der bemüht 
war, in den Formen der für den Wohnungs- und Hausbedarf bestimmten 
Bronzeobjecte eigene Modelle zu besitzen und nicht blos französische 
Vorbilder zu benützen. Hansen, van der Nüll, Siccardsburg, Ferstel, Storck, 
Tietz, Riewel u. s. f. arbeiteten für Hollenbach. Dabei war seine Arbeit 
eine sehr solide, seine Vergoldungen dauerhaft. Er hatte viel zu kämpfen 
mit den Vorurtheilen der vornehmen Welt, die nur nach Paris blickte. 
Heutigen Tages steht der Name Hollenbacb nicht mehr allein. In 
dem Ausstellungskataloge erscheinen noch als selbstständige Fabrikanten 
Hanusch, Grüllemayer und F. Hagemayer, Turbain, Brix 81 
Anders, Carl Haas, abgesehen davon, dass in vielen Fabricationszwei- 
gen, z. B. bei August Klein, Gustav Lehrl, bei den Glaswaaren von 
A. Lobmeyr und Ulrich, bei den Buchbinderarbeiten von Groner, 
Bronzedecoration, auch durch Ateliers, die selbstständig nicht vertreten sind, 
vielfach, mitunter in ganz glänzender Weise, ihre Vertretung findet, und 
dass auch sogenannte Gürtler aus den Kronländem und aus Wien, Fr. 
Födinger aus Gmunden, Biendl aus Innsbruck, F. Adler aus Wien 
Bronzeobjecte zur Ausstellung gebracht haben. Ausserdem aber gibt es in 
Wien noch Bronzefabrikanten, die nicht ausgestellt haben. 
Brix 8c Anders, Carl Haas und Turbain haben nur wenige 
Bronzegegenstände ausgestellt, von denen jeder für sich besondere Ver- 
dienste in Anspruch nehmen darf. Auf stylvolle Durchbildnng legen 
Brix und Anders und C. Haus ein besonderes Gewicht. Turbain's 
nVenus und Arnoru nach dem Modelle des Prof. König gegossen, ist mit 
besonderer Sorgfalt ciseliert. Eine specielle Aufmerksamkeit verdienen die 
aus freier Hand geschnittenen Bronzeornamente in den Galanteriearbeiten 
von A. Klein, und die geistvoll erfundenen und virtuos durchgeführten 
Ornamente auf den Kunst-Buchbinderarbeiten von Groner. 
Eine Specialität auf dem Gebiete der Metallplastik ist Carl Haas. 
Bekannt als eminenter Galvanoplastiker und wissenschaftlich gebildeter 
Techniker, ist Carl Haas diesmal zum ersten Male als Bronzegiesser 
aufgetreten mit der Reproduction des bekannten pompejanischen Silen als 
Lampenträger und mit Kirchengefässen im romanischen Style. Wir kommen 
in der Abtheilung über kirchliche Kunst noch auf diese Ausstellung zu- 
rück, helfend, Herrn Haas noch öfters als Metalltechniker im Museum zu 
begegnen. Er gehört in die Reihe jener bescheidenen Oesterreicher, die, 
ihr Licht unter den Scheffel stellend, seltener in der Oerfentlichkeit er- 
scheinen, als es in ihrem eigenen Interesse läge. 
Auch wenn man die Bronzedecoration bei den Lüsters und Tafelauf-
	        

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