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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1872 / 83)

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Immer scheint es in solchen Fallen am gersthensten, die Vorlagen für den Zeichen- 
unterricht - und wenn sie auch noch so einfach waren - nur ganz mustergiltigen Styl- 
epochen zu entnehmen, denn es gilt ja gleichzeitig mit der Uebung der Hand eine Aus- 
bildung des Schönheitsgeftihls im Schüler anzustreben. 
Gerade aber gegen diesen gewiss höchst wichtigen Gesichtspunkt wird bei Heraus- 
gabe von Zeichenvorlagen nur allzuoft gesündigt. 
_ Für den vorstehenden Zweck ungemein passend erscheinende Originale bieten hier 
die eingelegten Marmorarbeiten Italiens und zwar solche, bei denen mehrere farbige 
Marmorarten zur Verwendung kommen, oder aber und zumeist wohl solche, deren Orna- 
ment oder Grund aus weissem Marmor ausgegraben und nachträglich die entstandene 
Vertiefung mit schwarzem Stucco ausgefüllt ist. Einzelne Kirchen Italiens besitzen einen 
reichen Schatz dieser Arbeiten in den vielen Grabsteinplatten, welche deren Fussboden 
schmucken. 
Hier waren vor allem in dieser Richtung zu nennen: Sta. Croce in Florenz, 
S. Marco ehendas., Sta. Maria novella ehendas., Certosa bei Pavia, Dorn von Siena, Dorn 
von Spoleto, S. Maria de" miracoli in Venedig, S. Zacharias ebendas., etc. etc. 
An allen genannten Orten finden sich tbeils Wappeneinfassrmgen, Kränze, horizon- 
tale Friese oder vertical aufsteigende pilasterartige Ornamente, Rosetten etc. von vorzug- 
licher Schönheit, dabei einfach und klar in der Composition. 
Die Wiedergabe solcher Ornamente in einem Werke würde hier eine ziemlich 
leichte sein, denn zwei lithographische Drucke genügen, um den Etfect des Originales 
zu erzielen. 
Die Herausgabe solcher Ornamente, welche 3a Blatter im Formate 55 Ctm. hoch, 
37 Ctm. breit füllen würden, halt demnach der Gefertigte für Unterrichtszwecke als 
äusserst lohnend und entsprechend. Aber nicht nur während der Studienzeit wurde dem 
Schüler eine solche Sammlung sich nützlich erweisen, sie wurde auch dem fertigen 
Künstler, dem Architekten, dem Kunsthandwerker, er mag was immer Mr einen Zweig 
der künstlerischen Thatigkeit gewählt haben, von bleibendem Werthe sein und stets neue 
Dienste leisten. Wohl sind bereits Versuche gemacht worden, solche Ornamente zu 
publiciren, stets aber geschah dies in quantitativ und qualitativ ungenügender Weise 
(Hessemer wAltitalienische Bauverzierungen- und Waring v-The arts connected with archi- 
tecturew), so dass die bevorstehende neue Publication nicht zu beüzrchten hatte, schon 
Bekanntes und bereits Verotfentlichtes zu bringen. 
ll. Obwohl die Bronzegegenstande des Alterthums, namentlich jene aus dem Museo 
nazionale in Neapel, schon vielfach und in der verschiedensten Weise puhlicirt 'sind 
(w-Museo borbonicth, Niccolini nLa case ed i monumenti di Pompejh, vChefs-dheuvre de 
l'un antiquel), so geschah dies bisher doch nie vom Gesichtspunkte des Zeichners und 
praktischen Bronzearbeiters. Alle jene Verolfentlichungen geben die Bronzen, diese köst- 
liche Partie der alten Kleinkunst, zu nebensächlich und in einer Weise, dass fast stets 
das wichtigste der Zeichnung, der Reiz der Feinheit des Protiles, dabei verloren eht, 
woran freilich auch der relativ allzukleine Massstab Schuld tragt, in welchem diese ben 
geschehen sind. Zweck obiger Publication wäre demnach, jene Gegenstände, die als Vor- 
bilder fur unsere Bronzeindustrie nothwendig und verwendbar sind, wie Candelaber, Ge- 
fasse, Dreifnsse etc, in hinreichend grossem Maßstab: und möglichst correct in der Zeich- 
nung wiederzugeben. 
Hat jedoch die Literatur uber-"die Bronzen aus antiker Zeit, wenn auch Sparliches 
nur, aufzuweisen, so existirt aber jene der italienischen Renaissance gar nichts, ausser 
hie und da zerstreuten Skizzen einzelner Architekten, wie sie eben deren Studienreisen 
nach Italien ergeben '). Es ware eine sehr wunschenswerthe und dankbare Arbeit, aus 
dem Cinquecento in guter Zeichnung das überaus herrliche Materiale zu publiciren. das 
uns die Bronzekunst hinterliess und von dem hier einiges nur beispielsweise angedeutet 
werden möge: 
Candelaber in der Salute zu Venedig, Certosa bei Pavia, S. Maria del popolo und 
Andrea 'della valle zu Rom, Geländer im Dom zu Prato, Flaggenstangen zu Venedig, 
Thnrklopfer und Laternen zu Siena, Bologna und Florenz, etc. etc. 
Immerhin könnten übrigens auch beide Theile dieser Publication eine Trennung 
erfahren. Namentlich mochten die Bronzen der Renaissance sich allein schon ganz zweck- 
mässig zu einem besonderen Werke vereinigen lassen und würde dasselbe, weil ganz und 
gar originell, eine hervorragende Stelle in der deutschen Kunstliteratur einnehmen. 
') Auch Digby Wyam nBrass und iron work- gibt nur sehr Xvenig von italieni- 
schenEBronzen. '
	        

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