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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1872 / 83)

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sind nunmehr überwunden, die Fundamente des kunsthistorischen Museums 
sind vollendet und bald wird sich das mächtige Gebäude über den Erd- 
boden erheben. 
Die projectirte innere Einrichtung dürfte nicht allgemein im Detail 
bekannrsein, es wird daher hier eine Skizze derselben gegeben. Selbst- 
verständlich war sie längst vor Ausarbeitung der Baupläne festgestellt und 
die vielfachen Veränderungen, welche die kaiserlichen Sammlungen dadurch 
erfahren, haben bereits sämmtlich die Sanction Sr. Majestät des Kaisers 
erhalten. 
Im kunsthistorischen Museum sollen alle die zahlreichen und herr- 
lichen Kunstschätze, welche sich im Besitze des kaiserlichen Hofes belinden, 
vereinigt zur Anschauung gebracht werden; es wird demnach aus drei 
Hauptabtheilungen, den Alterthumssammlungen, der Gemälde- 
galerie und der Kupferstichsammlung, bestehen, die in eben so 
viele Geschosse vertheilt werden. 
Das erhöhte Parterre ist bestimmt, in 34 Aufstellungsräumen die 
vereinigten kunst-archäologischen Sammlungen aufzunehmen. Das Princip 
der Aufstellung bilden hier die Hauptculturgruppen in chronologischer 
Folge. Den Anfang machen daher die ägyptischen Denkmale, als die 
ältesten und gleichsam die Wurzel der späteren Kunst. Ihnen reiht sich 
das classische Alterthum an, vertreten durch die griechischen bemalten 
Vasen, Sculpturwerke in Marmor, Bronzen, Terracotten, toreutischen 
Arbeiten in edlen Metallen, geschnittenen Steine und Inschriften, - die 
Sammlungen des kais. Antikencabinets, vermehrt durch manches jetzt an 
anderen Orten Zerstreute, z. B. das prachtvolle Mosaik aus Salzburg, 
gegenwärtig auf der Marianen-Insel zu Laxenburg. 
Eine Nebenabtheilung machen die sogenannten prähistorischen Alter- 
thümer aus, die Culturproducte der barbarischen Völker des Alterthums, 
nämlich die Reste der Stein-, Bronze- und Eisenperiode, mit besonderer 
Berücksichtigung der österreichischen Fundstellen, um zu zeigen, wie sich 
in alter Zeit die Cultur in unseren Ländern entwickelte. 
Der Uebergang aus der alten Zeit zum Mittelalter bildet die Münzen- 
sammlung, welche aus vielen Gründen in einem Körper beisammen bleiben 
muss. Nun folgen die neueren Culturgruppen, das Mittelalter und die 
Renaissance; sie werden dargestellt durch den Inhalt der unvergleichlichen 
Ambraser Sammlung, der zufolge Allerhöchster Entschliessung die ganze 
grosse, jetzt im Arsenale aufgestellte Hof-Walfensammlung, ferner die in 
der kais. Gewehr- und Sattelkammer, in Laxenburg u. s. w. befindlichen, 
für das Museum geeigneten Gegenstände einverleibt werden, wodurch sie 
einen riesigen Zuwachs erhält. Es wird hier auf diese Weise die gross- 
artigste Waffensammlung der Welt zusammengebracht, welche sogar die 
berühmte Armeria in Madrid weit übertriift. 
Aber auch die Plastik und die Kleinkünste sind durch zahlreiche 
Bildwerke in allen Stoffen, Geräthen, Gefässen und Biiouterien glänzend
	        

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