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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1872 / 87)

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lJle Ausstellung der Frauenarhelten In der österreichischen Unterrlelitlqruppe der 
Weltausstellung. 
ln der österreichischen Unterrichtsgruppe der Weltausstellung wird der Versuch 
gemacht, die Frauenarbeit in einem einheitlichen Bilde darzustellen. Ob dieser Versuch 
gelingt, kann gegenwärtig noch niemand sagen, aber so viel kann mit Bestimmtheit aus- 
gesprochen werden, dass schon die Anregung zu dieser Ausstellung hingereicht hat, die 
Unterrichtsfrage des weiblichen Geschlechtes in Fluss zu bringen und Reformideen auf 
diesem Gebiete zu fordern. Denn diese Ausstellung speciell ist nicht unternommen 
worden, ein Schau- und Spectakelstück für eine Schaulustige Menge zu bilden, auch nicht 
den Tummelplatz frauenemancipationslüstemer Blaustrümpfe abzugeben, sondern sie ver- 
folgt den Zweck, -die Bedeutung der Frauenarbeit auf pädagogischem, volkswirthschaft- 
lichem. künstlerischem und literarischem Gebiete in das volle Licht zu stellen und dadurch 
eine Grundlage zu gewinnen für Reformbestrebungen auf dem Gebiete des weiblichen 
Unterrichtess, 
lm Oesterr. Museum hat man so recht Gelegenheit, die Wellenschläge dieser Aus- 
stellung zu beurtheilen. Seitdem dieselbe angeregt wurde, genügen die vorhandenen Bü- 
cher, Vorlagen, Originalstickereien etc. nicht mehr; so sehr wird von kunstliebenden 
Damen, strebsamen Lehrerinnen, Zeichnem für Stickerei Alles durchstöbert und emsig 
benützt, was sich in der Bibliothek und den Sammlungen des Museums befindet. Und 
doch kann man sagen, dass es am Continente, Frankreich nicht ausgenommen, keine 
öffentliche Anstalt gibt, die für die verschiedensten Arten der Frauenarbeiten ein so 
reichu Materiale wie das Oesterr. Museum gesammelt hat. 
Die Ausstellung besteht aus vier Hauptgruppen: I. für Schulen; 2. für Hausindustrie; 
3. für Frauenarbeiten; a) als Lohnarbeit in der Industrie, b) als Dilettantenarbeit auf dem 
Gebiete der Industrie und c) für kunstgewerbliche Arbeiten; 4. für Frauenliteratur. 
ln der Abtheilung für Schulen sind die meisten Kronländer vertreten; Wien allein 
durch die sechzehn Schulen des Frauenvereines für Arbeitsschulen, die sieben Schulen des 
Frauenwuhlthätigkeitsvereines, die Communal-lndustrieschule, die Schulen des Frauener- 
werbvereines, die gewerbliche Fortbildungsschule, die Schule der Ursulinerinnen, der Con- 
grcgation der Töchter des Heilandes, die Lehrerinnen-Bildungsanstalt bei St. Anna, eine 
grosse Zahl von Privatschulen. 
Die Abtheilung für Hausindustrie wird auf Vollständigkeit keinen Anspruch machen 
dürfen, doch wird sie hinreichend sein, um wenigstens zu ernsterem Nachdenken über 
weibliche Arbeiten aufzufordern. 
Von eminenter Bedeutung ist die erste Abtheilung der dritten Gruppe, deren Aus- 
führung in die Hände zweier bewährten, nationalbkonomisch gebildeten Fachmänner, der 
Herren Migerka und Holdhaus, gelegt ist, Wer kann heutzutage sagen, in welchem Um- 
fange Frauenhande in der modernen Industrie als Lohnarbeit thätig sind? Und wer will 
es unternehmen, den gewerblichen Unterricht fur das weibliche Geschlecht mit Aussicht 
auf Erfolg zu regeln, bevor diese Frage beantwortet ist? - Was in dieser Abtheilung 
gegeben werden kann, sind nur zweckmassig illustrirte Beispiele, welche über das Gebiet 
Licht verbreiten. Das Programm bezeichnet diese Gruppe als eine eminent wichtige; sie 
ist ganz dazu angethan, gewissermassen den Regulator für industrielle Frauenarbeit der 
Zukunft zu bilden. 
Die zweite und dritte Abtheilung der dritten Gruppe umfasst das Gebiet der Kunst- 
industrie und der Arbeit der Dilettantinnen. Es bedarf nicht vieler Worte, um auf die 
Bedeutung dieser Abtheilungen hinzuweisen. Die Schwierigkeit in der Durchmhrung liegt 
nur darin, die Schranke zu durchbrechen , welche die bei Damen so begreifiiche Beschei- 
denheit zieht, die es verbinden, dass ausgezeichnete Arbeiten an das Licht der Oelfentlich- 
keit treten. 
Die letzte Abtheilung bietet keine erheblichen Schwierigkeiten, da es nicht die 
Schriftstellerinnen sind, die ausstellen, sondern die Verleger, und die Frauenbibliothek 
ausschliesslich nach hibliographischen Gesichtspunkten veranstaltet wird. Die Hauptsache 
ist in dieser Abtheilung der Bericht über den Zustand der Frauenliteratur. 
Der Ausstellungsbericht über diese ganze Gruppe wird nach drei Gesichtspunkten 
geleitet: nach der Darlegung der Motive, welche diese Abtheilung hervorgerufen haben, 
nach dem Gesichtspunkte der Katalogisirung der zur Ausstellung zugelassenen Arbeiten, 
und endlich wird ein eigentlicher Bericht für jede einzelne Abtheilung alle Fragen, die 
zur Klarlegung des ganzen Gebietes beitragen können, kurz erörtern. Letztere Abtheilung 
durfte erst nach Erotfnung der Ausstellung veröffentlicht werden. 
Schliesslich sei bemerkt. dass die Ausführung dieser Abtheilung der Unterrichts- 
gruppe aus einem Comite besteht, an welchem 24 Damen und 12 Herren Antheil nehmen.
	        

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