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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1872 / 82)

Entfaltung ab ovo zur Darstellung gebracht. Auf. diese Weise ist die Ge- 
legenheit geboten, die vielfachen Abarten, wie sie in ihrer äussern Er- 
scheinung schon durch ihre Entstehungsweise bedingt sind, kennen zu 
lernen. Kaum auf irgend einem andern Gebiete trifft man so allgemeinen 
Mangel der einfachsten Kenntnisse an. Die Genesis eines Holzschnittes, 
eines Kupferstichs, einer Radirung, einer Punzenarbeit gehört heutzutage 
bei weitem noch nicht zu den allgemein verstandenen Dingen, so wichtig 
diese Kenntniss nur allein schon für den Genuss solcher Kunst- 
werke ist; aber wir machen selbst die Erfahrung oft genug, dass es man- 
chem schwer genug fällt, die Leistungen, die Resultate genannter Techniken 
untereinander zu unterscheiden. Selbst derjenige Besucher der Ausstellung, 
welcher ohne weiteres Studium die vorhandenen Blätter in ihrer Aufein- 
anderfolge betrachtet und an der Hand des Kataloges die unterscheidenden 
Merkmale ihrer speciellen Technik aufsucht, wird ein deutliches Bild von 
dem Reichthume der verschiedenen Herstellungsarten, aber auch von den 
einzelnen derselben einen klareren Begriff, - wenn schon nicht des ganzen 
Herganges, so doch seines Ergebnisses, der schliesslichen Erscheinung,- 
sich erwerben können. Allgemeinere Kenntnisse und eine Rectificirung der 
nur zu häufig vorkommenden Verwechslungen all" dieser Techniken herbei- 
zuführen, war demnach der andere Beweggrund, welcher diese erste 
technisch- historische Ausstellung veranlasste. 
Das gesammte Material ist in fünf Gruppen vertheilt: Formschneide- 
kunst, Kupferstiche, Lithographie, diverse Reproductionsarten und Ver- 
vielfältigung durch Farbe, von denen den beiden ersten ihrer Wichtigkeit 
halber natürlich der grösste Theil des Raumes gegönnt wurde. Die erste 
Reihe, Leistungen der Formschneidekunst umfassend, zerfällt in folgende 
Unterabtheilungen. Die frühesten Verfahren, welche der Absicht, durch 
Abdruck Illustrationen zu erhalten, vorausgingen, also die Kunst in ihrer 
unbewussten Anwendung, vorerst noch zu andern Zwecken, sind im Model- 
und Reiberdruck,_im Schrottblatt, im Teig- und im Spielkartendruck, 
ferner in jenem Metallschnitte vertreten, welcher hier ebenfalls wie der 
Holzstock behandelt ist, d. h. die abzudruckenden Theile aus dem Grunde 
erhaben herausgearbeitet enthält. Der Modeldruck, zur Herstellung von 
Tapeten und zum Bedrucken leinener Gewänder benutzt, wird schon im 
14. Jahrhundert von Künstlern der Schule Giotttfs angewendet, wie denn 
Cennini das Verfahren ausdrücklich mittheilt. (Cop. 173.) Das Museum 
hat einige sehr interessante Proben aus der ehem. Bock'schen Sammlung 
ausgestellt. Teigdrucke des 15. Jahrhfs, deutscher und burgundischer Her- 
kunft lieh Herr Artaria; unter den Metallschnitten nennen wir das sehr merk- 
würdige Bild eines Reiters und den Schmähbrief von 1550 aus dem Besitz 
Sr. Excell. des Herrn FZM. Ritter von Hauslab. Diesen ersten Proben 
schliessen sich die eigentlichen älteren Holzschnitte bis zum Beginn des 
16. Jahrhfs nach den Ländern geordnet an. Unter den deutschen Arbeiten 
finden wir Einzelblätter, besonders Kalender, wie jenen von 147g aus 
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