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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe VII (1872 / 82)

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einer neuen Richtung des Holzschnittes, den nun, wie die Stecherkunst, 
die durch ihren blendenden Prunk durchdringende Rubens'sehe Schule 
unter die Flügel nimmt. Die Italiener leisten unter Tizian's Einfluss das 
Bedeutendste in einem grossartigen Style, welcher in den grossen Blättern 
des Unterganges des Pharao und dem Triumph Christi nach jenem Meister 
wahrhaft monumentalen Charakter erreicht. Frankreich präsentirt seine 
zierlichen Renaissance in einigen guten Arbeiten des 16. Jahrhfs. Was 
von I-Iolzschnitten des 17. und 18. und -- I9. Jahrhfs ausgestellt ist, 
bringt den Verfall der edlen Kunst klar zu Anschauung. Perioden, welche 
im malerisch gehaltenen Kupferstich allein ihren Ruhm auf dem Gebiet 
der graphischen Künste suchten, mussten die Pflege des I-Iolzschnittes ver- 
nachlässigen oder ihn schliesslich zur Imitation eben des Kupferstiches und 
in derselben zweitens gleichfalls durch malerische Gelüste verderben, worin 
der sog. vI-Iolzstichu in unserer Zeit ad extremum gegangen ist. 
Die bisher genannten Holzschnitte sind einfarbige, blos mit der, 
Schwärze auf weisses Papier gedruckt. Den Uebergang zu den Farben- 
holzschnitten und Clairobscurs bilden die Weissschnitte, bei denen so zu 
sagen das Weiss des Papiers für die Zeichnung ausgespart, der Grund in 
Schwarz dargestellt ist. Helldunkelblätter in zwei und drei Farben zum 
Theil von wundervoller Vollendung sind aus der deutschen, italienischen, 
niederländischen und englischen Schule vorhanden. Neben Kranach's heil. 
Christoph, den Hexen Baldung Grien's, einem Blatte des in dieser Technik 
virtuosen Wechtlin's, enthält die Ausstellung in dem mit Gold aufgedruckten 
Kaiser Max und dem herrlichen heil. Georg zu Pferde, beide von I-lans 
Burgkmair, zwei der seltensten Proben dieser schönen Kunst, die bald er- 
loschen ist und erst heute wieder versuchsweise aus der unverdienten 
Vergessenheit gezogen wird. Von den Italienern finden wir Hugo da Carpi, 
A. de Trento, Andreani, endlich Goltzius, Rubens, Sallerts, Jackson u. a. 
Noch mehr als die Vorgeschichte der I-Iolzschneidekunst liefert jene 
des Kupferstichs den klaren Beweis, dass der allein mächtige und ent- 
scheidende Wecker neuer Erfindungen nicht die Speculation ist, die sich 
daran macht, aus dem Nichts heraus etwas Neues zu entdecken, sondern, 
dass die Vervollkommnung zufällig gemachter Erfahrungen, unterstützt durch 
ein neuerwachtes Bedürfniss, die embryonischen Keime plötzlich zur Pflanze 
zeitigt. Seit wie vielen Jahrhunderten übten nicht orientalische und auch 
abendländische Völker die Kunst, gravirte Vertiefungen in Metallflächen 
mit Farbe einzureiben oder mit schwarzer Schmelzmasse einzulegen, wobei 
doch nicht anzunehmen, dass etwa ein Maso Finiguerra oder wie immer 
er hiess, der Erste gewesen wäre, welcher zur Probe des ausgeführten 
Metallschnittes einen Abdruck davon genommen, -- und doch führte dieser 
einfache Vorgang, der zu einem ganz andern Zwecke unternommen worden 
war, zur Aufdeckung einer neuen Technik! Dem Ereignisse kam eben das 
zu gleicher Zeit lebendig gewordene Bedürfniss nach Herstellung billiger 
und zahlreicher bildlicher Darstellungen in einfacher Gestalt, zum Zwecke
	        

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