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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 1)

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Bei vielen der zu erzeugenden Dinge ist es jedoch gar nicht nöthig, 
erst nach besonders vertrauenerweckendem Material zu suchen. Die 
Metalle, edle und unedle, manche Gesteingattungen, das Glas, das Email, 
gewisse Stoffe der keramischen Kunst, ferner von animalischen Producten 
die Perlmutter, kurz Alles, was die Wirkung der rastlos zerstörenden 
Zeit weniger rasch verspürt; alles dieses und noch mehr andere Dinge 
kann der Fälscher wenigstens einem unbefangenen Kunstliebhaber gegen- 
über ohne besondere Vorsicht verwenden. 
Seine Neuschöpfungen stellt der Fälscher entweder ganz nach vor- 
handenen Mustern oder frei nach eigener Phantasie her. 
Seine Copien sind mitunter sehr vollkommen. Sie gelingen ihm be- 
sonders dann, wenn sich die ausübende Hand schon jahrelang in ganz 
bestimmter Richtung geübt; der Geist, die Anschauung sich in eine be- 
stimmte ausgeprägte Art einer zum Vorbilde genommenen Kunstweise 
eingelebt hat. 
Der Schöpfer solcher, vielfach ohne sein Wissen zu Fälschungs- 
zwecken zu verwendender Copien arbeitet nicht selten mit wahrenPietät. 
Fälschungen, die frei erfunden und durchgeführt sind, weisen nur 
selten eine solche Vollkommenheit auf, dass hiedurch ein gründlicher 
Kenner getäuscht werden könnte. Außer seinen künstlerischen und kunst- 
technischen Eigenschaften müsste ihr Erzeuger viel von wissenschaftlicher, 
besonders von allgemein historischer, kunst- und culturgeschichtlicher 
Bildung besitzen, um nur mit einiger Sicherheit Missgriffe zu vermeiden, 
die an ihm zum Verräther werden. Dass er diese Bildung besitze, ist 
wohl nicht gänzlich ausgeschlossen, gleichwohl aber aus mehr als einem 
Grunde kaum zu denken. 
Den Sammlern gefährliche Copien und freie Schöpfungen finden 
sich hauptsächlich an solchen Orten, wo tüchtiger, mit den Traditionen 
alter Kunstübung noch verbundener Gewerbefleiß Erzeugnisse hervor- 
bringt, die einen Vergleich mit ihren vor einer Reihe von Menschen- 
altern entstandenen Urbildern kaum zu scheuen haben. FaTencen z. B., 
wie sie etwa im 18. Jahrhunderte in der Normandie erzeugt wurden, oder 
solche, deren Vorbilder auf Bernard Palissy zurückzuführen sind, werden 
auch heutzutage, nahe ihrer einstigen Pflegestätte, so vollkommen her- 
gestellt, dass dem Fälscher fast nichts mehr zu thun übrig bleibt, um 
diese jungen Fabricate den Sammlern ohne Gefahr des Verdachtes 
auszuliefern. 
Doch wird immerhin Einiges gethan. 
Zweierlei Nachhilfen sind es, die der Fälscher mit Vorliebe und 
mit einem für ihn sehr günstigen Erfolge anzuwenden pflegt, um seiner 
Waare den Stempel der Echtheit aufzudrücken: Das Altmachen und 
die Anbringung beglaubigender Kennzeichen. Um Gegenständen 
verschiedensten Aussehens und Charakters die Anzeichen des Alters 
künstlich zu verleihen, werden ungezählte Arten-oft recht unbarmherzige
	        

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