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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 1)

sämmtliche Aussteller vorstellen und richtete an jeden Einzelnen Fragen 
über die Herstellung der Arbeiten und über die Absatzverhältnisse. 
Herrenhausmitglied Lobmeyr zeigte dem Kaiser eine Prachtscbüssel 
mit reichen liguralen Gravirungen und bemerkte hierzu, dass dieses Object 
für die Weltausstellung in Paris bestimmt sei. Bei diesem Anlasse wiesen 
die Hofräthe Bucher und v. Storck auf die große Bedeutung hin, welche 
die Pariser Ausstellung vor Allem für die Kunstindustrie besitze, deren 
Zukunft von der Hebung des Exports abhänge. Se. Majestät erwiderte 
hierauf, dass eine möglichst glänzende und eindrucksvolle Gestaltung der 
österreichischen Abtheilung auf der Pariser Ausstellung von höchster 
Wichtigkeit sei. Mit besonderem Interesse betrachtete der Monarch die 
von den Damen Pflugmacher, v. Stark, Wagner und Wahrmund für Herrn 
Erzherzog Rainer gearbeitete Prunkschüssel in Limousiner Ernail, sowie 
die mit den Mitteln der Hoftiteltaxfonds geschaffenen Objecte und ließ sich 
die hiermit verfolgten Absichten und die Art ihrer Ausführung erklären. 
Bei diesem Anlasse sprach der Kaiser den Hofräthen Bucher und v. Storck 
und den Professoren Beyer, Herdtle, Karger, Klotz, Macht, Ribarz und 
Schwartz seine besondere Anerkennung aus. Bei der Betrachtung der vom 
Hofphotographen Löwy ausgestellten Lichtdrucke äußerte der Kaiser sein 
Wohlgefallen über mehrere der hier reproducirten Arbeiten von Schülern 
der Fachschulen für Malerei der Kunstgewerbeschule und gab seiner 
Befriedigung darüber Ausdruck, dass die Kunstgewerbeschule ihre Zög- 
linge in so ausgezeichneter Weise völlig ausbilde. Mit grossem Interesse 
besichtigte der Kaiser die Grabmalentwürfe des Professors König und 
zog den Künstler in ein längeres Gespräch. Bei der Besichtigung der 
Verlagswerke der Firma Heck lieB sich Se. Majestät genaue Auskunft 
über die Herstellung der farbigen Heliogravuren geben. Wiederholt 
äußerte der Monarch, dass die Ausstellung außerordentlich gelungen sei 
und dass er seit Langem nicht so viele gediegene Arbeiten vereinigt ge- 
sehen habe. Hofrath Bucher wies darauf hin, dass dies seinen Grund 
darin habe, dass in der Veranstaltung größerer Weihnachtsausstellungen 
eine mehrjährige Pause gemacht worden sei, wie überhaupt die rasche 
Aufeinanderfolge von Ausstellungen der Industrie nicht günstig sei. Der 
Kaiser nahm diese Bemerkungen zustimmend zur Kenntniss. 
Nach Beendigung des Rundganges, der über eine Stunde dauerte, 
äußerte der Kaiser, dass es ihm eine besondere Befriedigung bereitet 
habe, die Ausstellung besichtigen zu können, welche sowohl in tech- 
nischer wie in künstlerischer Hinsicht bedeutende Fortschritte aufweise, 
und sprach den Herren der Begleitung wiederholt Dank und Aner- 
kennung aus. 
Siebzlgster Geburtstag des Herrn Erzherzogs Rainer. 
Sonntag den 10. d. M. Vormittags empfing Se. k. und k. Hoheit der 
durchlaucbtigste Herr Erzherzog Rainer eine Deputation des Cura- 
toriums des k. k. Oesterr. Museums, bestehend aus den ältesten Mit- 
gliedern desselben, den Herren: Excellenz Graf Hugo Abensperg-Traun, 
Excellenz Nicolaus Dumba, Hofrath v. Falke und Regierungsrath Rad- 
nitzky, ferner den Director des Museums Hofrath Bucher, den Director 
der Kunstgewerbeschule Hofrath v. Storck und eine Abordnung des 
Wiener Kunstgewerbe-Vereins, die Herren Vice-Präsident kais. Rath 
Gstettner und Schriftführer Custos Dr. Leisching. Hofrath Bucher bielt
	        

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