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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 1)

Der Verein für historische Waffenkunde "). 
Unter den zahlreichen Vereinen, welche heute existiren, sind jene, 
welche die Pflege irgend eines Wissenschaftszweiges auf ihre Fahne ge- 
schrieben haben, am allerspärlichsten vertreten, ja Universalwissenschaften, 
wie die Geschichte, leiden daran geradezu einen Mangel. Von der be- 
deutenden Zahl von Disciplinen, welche die Geschichtswissenschaft be- 
nöthigt, sind die wenigsten in den Programmen der Vereine zu finden, 
ja viele und wichtige werden selbst an den Hochschulen nicht gelehrt, 
wie die historische Geographie, die Heraldik, die Numismatik und manch' 
andere. 
Da ist es wohl kaum zu wundern, wenn in der Geschichtsschreibung, 
die eine ungezählte Menge wichtiger kriegerischer Ereignisse in ihren 
Ursachen, Verlauf und ihren Wirkungen darzustellen hat, gerade dem 
Werkzeuge des Krieges, der Waffe, keine Beachtung geschenkt und sich 
eines Mittels begeben hat, Kriegsthaten überhaupt wahrheitsgetreu zu 
schildern. 
Erst vor etwas über hundert Jahren hat sich, angeregt durch das 
Werk des J. B. Carre: vPanopliew, die Kenntniss alter Waffen zur 
historischen Waffenwissenschaft herausgestaltet, und bedeutende 
Historiker, wie L. Meyrick, J. v. Scheiger, F. v. Leber, Hewitt, Planche, 
Egerton, Viollet-le-Duc, Qu. v. Leitner, Hefner-Alteneck u. A., haben an 
ihrer Entwicklung gearbeitet; aber noch immer entbehrt dieselbe einer 
Organisation und ist damit nicht nach allen Richtungen hin durchgebildet 
worden. _ 
So ist die alte Waffe nach ihrer fachmännisch-militärischen Seite 
im Hinblicke auf die technologischen Eigenschaften derselben, auf ihre 
mechanische Einrichtung, ihren Gebrauch etc. noch gar nie beachtet 
worden, leider auch nicht von den modernen Kriegstechnikern. 
In der Geschichtsschreibung ist die alte Waffe nur im Alterthume 
in den Calcul gezogen worden, weil die meisten Autoren, wie Xenophnn, 
Julius Cäsar, Josephus Flavius u. A., selbst Kriegsmänner waren. lm 
Mittelalter gelangte sie in die Hände von Mönchen und aus diesen in 
jene trockener Kathedergelehrter, welche die ungeheuerlichsten Anschau- 
ungen über die Kriegführung hatten. Erst vom vorigen Jahrhunderte an 
beginnt eine specielle Wissenschaft: die gleichzeitige Kriegsgeschichte. 
Von enormer Bedeutung aber ist die Stellung der historischen 
Walfenwissenschaft zur bildenden Kunst, eine Bedeutung, die nie in ihrer 
Totalität aufgefasst worden ist. Schon ihre Formengebung weist die 
Waffe auf eine ganz eigene ästhetische Bahn, die ganz abseits führt von 
jener aller übrigen Fächer. Sie verlässt die Grundlagen der Architektur 
') Nach einem im k. k. Oeslerr. Museum für Kunst und Industrie am I7. De- 
cember 1896 gehaltenen Von-wage.
	        

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