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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 2)

existirt, wenngleich der Meister sie ganz gut gekannt hat. Er malte die 
heiligen Geschichten als Holländer mit holländischen Modellen und unter 
der Eingebung nordisch-inniger Gemüthsempiindungen. A 
Wie haben sich nun die Holländer, dieser äußerste linke Flügel der 
malerischen Naturalisten, zum Barockstil in Architektur und Kunstgewerbe 
verhalten? "Unsere Erwartung von dieser Seite wird womöglich noch ge- 
steigert, wenn wir zur Antwort erfahren, dass die Holländer den römischen 
Barockstil nicht übernommen haben. Wessen die Flamänder und selbst die 
Spanier noch immer nicht entrathen zu können glaubten, das haben die 
Holländer grundsätzlich abgelehnt. Sowie sie den römisch-Horentinischen 
ltalianismus in der Malerei schrotier und unbedingter als ihre beiden 
anderen naturalistischen Concurrenten zurückgewiesen haben, so ver- 
schmähten sie es auch, in der Architektur ihre Inspirationen aus Rom zu 
holen. Nun könnte es scheinen, hätten wir endlich das Richtige, was wir 
suchen! eine bewusste und rücksichtslos naturalistische Kunst, die auch in 
der Architektur andere Wege gehen will als die übrigen, die sich immer 
noch mit dem historischen Idealismus abfinden zu müssen glaubten. 
Aber es harrt unser auch diesmal eine Enttäuschung. Den römischen 
Barockstil haben die Holländer allerdings verschmäht; sie sind auch nicht 
bei ihrer Renaissance des 16. Jahrhunderts geblieben, nicht blos, weil sie 
ihnen überlebt schien, sondern wohl auch ihres italianisirenden Charakters 
willen: so wie man den sogenannten italienischen Manierismus in der 
Malerei um 1600 für überwunden ansah, wollte man auch von dem damit 
parallel entwickelten Manierismus in der Architektur nichts mehr wissen. 
Aber was hat man an Stelle dessen gesetzt? Etwa einen ganz neuen, 
originellen Baustil, aus den natürlichen Voraussetzungen des Zweckes 
und der natürlichen Beschaffenheit der Materialien entwickelt und mit 
naturalistischen Decorationsmotiven verziert? Nichts von Alledem. Die 
Holländer haben nicht minder wie alle übrigen Kunstvölker jener Zeit, 
mit einziger Ausnahme der Italiener, sich hinsichlich ihrer Architektur 
und ihrer Kunstgewerbe nach fremder Hilfe umgeschaut. Nur vom päpst- 
lichen Rom durfte die Hilfe nicht kommen. Man nahm sie daher vom 
kaiserlichen Rom, von dem Rom der classischen Antike. 
Es verräth sich darin die praktische, consequente Denkweise der 
Holländer. Ihr Protestantismus bestand darin, dass sie direct auf die 
Quellen des altrömischen Urchristenthums zurückgingen und die Tradition 
und Dogmatik des päpstlichen Rom zurückwiesen. Genau das Gleiche 
vollzogen sie nun auf dem Gebiete der Architektur. Auch hier ver- 
schmähten sie die Trübungen, die der altrömische Baustil im Laufe der 
päpstlichen Jahrhunderte erfahren hatte und wandten sich direct an die 
Urquelle, an den classischen Stil der römischen Kaiserzeit. Sie gingen 
aber nicht etwa nach Italien, um ihn an den erhaltenen Denkmälern 
selbst zu studiren, sondern sie benutzten dazu die Publicationen dieser 
Denkmäler, die seit dem 16. Jahrhundert von den Italienern wiederholt
	        

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