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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 2)

scheu Kunst und Publicum angebahnt worden, bei der allein die Kunst 
gedeihen kann. 
Es ist nicht leicht, sich von der Ausdehnung und Bedeutung 
dieses Kunstzweiges einen richtigen Begriff zu machen. Einer der 
besten Kenner auf diesem Gebiete, der Amerikaner Pennell, der selbst 
mehrere Werke über die englische Illustrationskunst geschrieben, und 
eine ansehnliche Sammlung von Federzeichnungen angelegt, behauptet, 
dass er fast täglich neue Namen entdeckt und dass er zweifelt. jemals 
alle Künstler aus ihren Verstecken in den verschiedensten Zeitschriften 
und Büchern herauszubekommen. Seine Schätzung, die dahingeht, dass in 
den letzten 50 Jahren in England mehr Illustrationen erschienen seien, wie 
in der gesammten übrigen Culturwelt, scheint den Thatsachen vollkommen 
zu entsprechen. Von der Zahl der von wahrhaft künstlerischem Geiste er- 
füllten illustrirten Journale macht man sich bei uns kaum einen Begriff. 
The Quest, Black and White, The Savoy, Once a Weck, The Quarto, The 
Dial, The Sketch, The Butterfley und viele Andere sind bei uns unbekannte 
Titel, während die schwere Menge von Magazines, Reviews, Surveys u. s. w. 
schon deshalb diesseits des Canals wenig Verbreitung findet, weil sie 
sich an ein speciell englisches Publicum wendet. Die Bedeutung des 
vStudio: ist zwar bald nach seinem Erscheinen allgemein bemerkt worden, 
aber was ist dieser heute bedeutendsten Zeitschrift vorangegangen und 
wie Vieles läuft nebenher, wovon man bei uns kaum Notiz genommen! 
Diese illustrirten Zeitschriften bilden in ihrer Gesammtheit die 
breite Basis des englischen Illustrationswesens sowohl in artistischer wie in 
ökonomischer Beziehung. Ohne illustrirte Zeitschriften ist die englische 
Buchillustration undenkbar. Hier "wachsen nicht nur die Künstler oft aus 
bescheidensten Anfängen zu großen Talenten empor, hier finden sie auch 
iahraus jahrein ihre gesicherte wirthschaftliche Existenz. In den illustrirten 
Journalen muss der Historiker forschen, muss zahlreiche dickleibige Jahr- 
gänge mühsam durchblättern, um der Entwicklungsgeschichte einzelner 
Meister nachzugehen, deren Name jetzt vom Glanze allgemeiner Aner- 
kennung widerstrahlt. Aus dem weiten Kreise dieser Leute holt sich der 
Dichter, der Schriftsteller, der Verleger die besten und geeignetsten 
Kräfte für seine illustrirten Bücher. Ein solches Buch zeigt dann den 
Künstler in seiner vollsten Entfaltung. Hier kommt seine Neigung und 
Begabung als abgerundetes Ganze zum Ausdruck. Die Verbreitung dieser 
litterarisch-artistischen Erzeugnisse ist enorm, sie reicht so weit wie die 
englische Cultur, die am indischen Weltmeer einerseits und am Stillen 
und Atlantischen Ocean anderseits ihre Grenzen hat. 
Angesichts dieser ganz abnormen Production auf einem einzelnen 
Kuustgebiete drängt sich die Frage auf: Wie ist das englische Illustra- 
tionsweseu zu solcher Ausdehnung gelangt? - Die Ursachen sind zwei- 
facher Natur, künstlerischer und technischer. 
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