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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 2)

Die Barockdecoration und die moderne Kunst. 
Vortrag, 
gehalten im k. k. Oesterr. Museum am 3. Januar 1897 von Alois Riegl. 
(SchlussJ ' 
Das einzige von diesen drei Ländern, in dem der römische Barock- 
stil rnit voller Begeisterung übernommen und zu verhältnissmäßig hoher 
Blüthe gebracht wurde, ist Flandern gewesen, das heutige Belgien, d. h. 
genau gesagt die ganze südliche Hälfte der Niederlande, die nach den 
Revolutionskriegen des 16. Jahrhunderts der spanischen Herrschaft ver- 
blieben ist. Mit der spanischen Herrschaft erhielt sich' dort zugleich der 
Katholizismus, die geistliche Abhängigkeit von Rom, die enge und un- 
mittelbare Verbindung mit Italien. Der Maler aber, der die flämische 
Kunst für ewige Zeiten berühmt gemacht hat - Peter Paul Rubens -- 
ist unter seinen Concurrenten um den ersten Rang derjenige, der den 
Zusammenhang mit der früheren idealistischen Malerei, namentlich der 
Italiener, noch verhältnissmäßig am stärksten festgehalten hat. In den 
Bildern des Rubens tritt uns Idealismus und Realismus, Naturwahrheit 
und Dichtung in so inniger Verbindung entgegen, wie bei keinem andern 
der Malerfürsten des 17. Jahrhunderts, - weder bei Rembrandt, noch 
bei Velasquez. Dasjenige Land, das, wie ich gerade bemerkt hatte, in 
der Pflege des Barockstils den Römern und Florentinern zunächst ge- 
kommen ist, hat auch in der Malerei eine den Italienern Verhältniss- 
mäßig verwandte Weise befolgt. Das ist nun wohl keine zufällige Ver- 
kettung derThatsachen, sondern eine ganz natürliche Causalitätsverbindung. 
Wir können daraus auch schon a priori den Schluss ziehen, welche Rolle 
das Decorative im belgischen Barockstil gespielt haben mag. Es ist im 
Allgemeinen die Rolle der römischen Barockdecoration, aber vermehrt 
um eine Anzahl decorativer Elemente, die aus der üppigen niederlän- 
dischen Renaissance herübergenommen worden sind. Architekturen solchen 
Charakters hat Rubens selbst mit Vorliebe auf seinen Bildern angebracht; 
aber auch seine ganze Kunstweise in der Figurenmalerei erinnert vielfach 
an den wuchtigen, ausladenden Stil der Barockarchitektur. Man hat sich 
daher gewöhnt. Rubens geradezu als den typischen Barockmaler zu be- 
trachten; kein Italiener hat den Geist dieses Stils in der Malerei so richtig 
und schlagend zu treffen gewusst, als der Antwerpener Großmeister. Ja 
Rubens hat es in einzelnen Fällen sogar nicht verschmäht, seine Kunst 
direct. in den Dienst decorativer Aufgaben zu stellen: wir kennen von 
ihm u. A. Entwürfe für Deckenmalereien und Teppichwebereien. Aber 
auch bei ihm ist doch Alles überwiegend auf die große Form berechnet; 
für eigentliches Zierwerlt wird man auch bei Rubens nur mit geringem 
Erfolg nach Inspirationen suchen. 
Von den drei Grdßmeistern der Malerei des 17. Jahrhunderts ist 
aber Rubens derjenige, der verhältnissmäßig am wenigsten tief und nach-
	        

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