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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 3)

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und weißhaarigen Greise sind so volle, ganze Menschen, so ausgeprägte, 
bedeutungsvolle Charaktere, dass das vegetabile Leben um sie herum sie 
nur schmückt und bereichert, niemals aber in ihrer Wirkung herabdrückt 
Wenn irgend ein Werk durch die ihm innewohnende gesunde Kraft 
uns mit diesem altcrthümelnden Genre, das ja immer in Gefahr schwebt, 
in erkünstelte Romantik zu verfallen, mit einem Schlage versöhnt, 
so ist es dieses. Wer Mason's Huon of Bordeaux durchblättert, wird 
keinen Augenblick wünschen, diese Dichtung möge etwa anders als gerade 
in solcher Weise illustrirt sein. 
Mit diesen beiden Richtungen, der rein decorativen Walter Cranes 
und der archaisirenden Burne Jones verwandt, aus ihnen hervorgegangen, 
aber durch Aufnahme neuer, namentlich vieler japanischer Elemente von 
ihrem Ausgangspunkte abgetrennt, so dass man sie als eigene Gruppe 
betrachten kann, ist die der Mystiker und Symbolisten. Der Jüngste, aber 
zweifellos Begabteste dieser Gesellschaft ist Aubrey Beardsley. Weit über 
die Grenzen seines Vaterlandes hat man für und wider ihn Partei ge- 
nommen, Frankreich und Amerika haben ihn angegriffen und gelobt. In 
England sehen die Jungen unter den Illustratoren in ihm die stärkste 
decorative Kraft, während die Alten sich schaudernd abwenden von solcher 
Kunst, wiewohl auch sie seine Begabung anerkennen. Seine Hauptwerke 
sind wSaIome- und wLe Morte d'Arthuru. - Es ist schwer zu sagen, welcher 
Richtung er in diesen Werken huldigt. In den Geist des alten Holz- 
schnittstiles ist er tief eingedrungen, den Japanismus beherrscht er rnit 
voller Meisterschaft, aber weder in der Formensprache der Frührenaissance 
noch in der Japans sieht er die Grenzen seiner Ausdrucksweise. In Allem 
schlägt viel Eigenwille durch, viel originelle Gestaltungskraft, und gerade 
das ist das Fascinirende an ihm. Beifall und Abscheu wechseln beim 
Anblick seiner Compositionen. Phantastische Schönheit und groteske 
Teufelei spielen merkwürdig in einander. Kühn und extravagant, mit dem 
abscheulichen Vorsatze, möglichst sensationell zu wirken, macht er den 
Eindruck, als wollte er mit einem Fortissimo von schreienden Dissonanzen 
und harmonischen Zusammenklängen Leute zur Theilnahme zwingen, die 
aus müder Blasirtheit in stumpfe Lethargie versunken sind. Er ist im 
höchsten Grade decadenr - ein Ruhmestitel in den Augen seiner Anhänger 
und Verehrer - aber mit diesem Decadententhum verbindet sich nicht 
müde Herabgekomrnenheit, sondern eine, wenn auch liberreizte, so doch 
derart reiche Phantasie, dass sie für ein Dutzend von Durchschnitts- 
künstlern ausreichen würde. Im Morte d'Arthur hat er wie sein großes 
Vorbild Burne Jones den Charakter des fünfzehnten Jahrhunderts zu 
imitiren versucht. Das Halbdunkel wird möglichst vermieden, das Bild 
in eine harmonische Wechselwirkung von Schwarz und Weiß zerlegt. Bei 
diesem Spiel von Licht und Dunkel verfällt er oft unversehens aus der 
geschickten Nachemplindung der Hypnerotomachia in die japanische Diction 
und weiß etwas merkwürdig Mysteriöses in seine Darstellung zu legen.
	        

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