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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 3)

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schränken weiß, der wenig oder gar nicht mit Halbtönen arbeitet, Alles 
in möglichst starke Lichter und Schatten auflöst, ohne sich von der Natur 
zu entfernen. Ausblicke auf Fluss und Ufer über den Schilfsschnabel hin- 
weg, kleine Ortschaften, armselige Dörfer, schnurgerade Dämme, die in 
endlose Ferne hinausziehen, alterthümliche Städte und malerische Archi- 
tekturbilder weiß er einfach und treu wiederzugeben. Ueberall kommt 
eine starke Künstlerindividualität zum Vorschein, nirgends wittert man 
die Photographie. Seine Skizzen aus Italien und Dalmatien zeigen dieselben 
Vorzüge. Als trefflicher Charakterzeichner erscheint er in dem Büchlein 
nThe Jew a: homec, worunter er den Juden in Oesterreich, Polen und Russ- 
land versteht. Es ist eine ethnographische Studie voll Ernst und zugleich voll 
Humor. Ein Skizzen- und Tagebuch, auf einer Reise unter Juden entworfen, 
hingezeichnet ohne Hass undVoreingenommenheit, ohne sentimentaleRegung 
am unrechten Orte, aber durchdrungen von echt menschlicher Empfindung, 
wie z. B. in dem Bilde, wo ein alter Jude seinen Sohn an den Grab- 
Stätten seiner Glaubensgenossen vorüberführt. - Als Meister des Stimmungs- 
bildes zeigt sich dieser anglisirte Amerikaner in wThe London Garlandu, 
wo er eine Londoner Straße bei Nacht schildert. Durch einen Riss in den 
Wolken scheint der Mond herab, das Licht blitzt auf der feuchten Straße, 
auf den Dächern der Wagen, auf den Huträndern der Passanten, trüb 
scheinen die Laternen, wir blicken in ein tiefes Dunkel, das immer klarer 
und belebter wird, je länger wir hineinsehen. Ein großstädtisches Nacht- 
bild, sicher voll anheimelnder Poesie für die, die es gewohnt sind. 
Ein anderer Zeichner, der durch seine topographischen Ansichten 
und Skizzen populär geworden, ist Hubert Railton. Seine Zeichnungen 
haben eine äußerliche Verwandtschaft mit denen Pennels. Vegetation und 
Architektur sind mit pikanter Delicatesse wiedergegeben; auch er weiß 
das Wesentliche mit Geschick zusammenzufassen, aber er charakterisirt 
nicht mit derselben Schärfe, mit demselben Streben nach Wahrheit wie 
Jener. Vieles ist nichts als bestechende Manier, daher kein Anderer so 
häufig wie er von Leuten imitirt wird, denen es um einen momentanen, 
leicht zu erringenden Erfolg zu thun ist. 
Einer der Ersten unter den englischen Landschaftszeichnern ist 
Alfred Parsons; er arbeitet vielfach vereint mit Abbey, und hat mit 
diesem zusammen die wOld Songsu herausgegeben. Die Art und Weise 
dieser beiden Künstler ist schwer zu trennen. Am meisten unterscheiden 
sie sich darin, dass Parsons nebenbei ein unübertrefflicher Blumenzeichner 
ist, während Abbey im Figuralen, namentlich in der Darstellung von 
Mädchen und Frauen wenige seinesgleichen findet, wie es z. B. seine 
Sketching Rambles in Holland deutlich zeigen. Parsons' Virtuosität im 
Blumenporträt, das bei aller Naturwabrheit der reizendsten decorativen 
Wirkung nicht entbehrt, führt ihn dahin, hauptsächlich kleine Ausschnitte 
aus der Natur zu bringen. Garten, Feld und Heckengelände sind seine 
häufigsten Motive. Er arbeitet mit unnachahmlicher Zartheit ähnlich wie
	        

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