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Volltext: Monatsschrift für Kunst und Gewerbe XII (1897 / 3)

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Ziele führte. Es lag also bei der Herstellung der verbältnissmäßig großen 
Medaillons au sehchon zum Vortheile der Technik die Nöthigung vor, 
die Silberliäche durch Stege in kleinere Theile zu zerlegen. Dass ein 
solches Mittel gleichwohl nicht immer ausreichte und sich bei größeren 
Plättchen die gewünschte Spannung nicht erzielen ließ, ist durch das Vor- 
kommen von Nieten bewiesen, durch die das Silber dort nangezogenc 
wurde, wo es, vom Rande schon zu weit entfernt, sich nicht mehr an 
das Kupfer schmiegen wollte. Drei sehr instruetive derartige Nieten finden 
sich auf dem Bilde Christi, und zwar auf der linken Gesichtshälfte. Nach 
erfolgtem Einsetzen aller Silberplättchen konnte erst mit dem Graviren 
der später mitlNiello zu füllenden Zeichnung begonnen werden. Dass 
diese Reihenfolge der Proceduren stattfand, wird durch den Umstand 
bestätigt, dass die Niellirung vollkommen unbestreitbar über die Nieten 
hinweggeführt ist. Weiter ist zu constatiren, dass sich auf dem Silber 
deutliche Spuren von nicht beabsichtigter Vergoldung finden, dass also 
das Goldamalgam zu einer Zeit aufgetragen wurde, wo das Silber schon 
am Kelche befestigt war. Die Präcision, mit der diese Vergoldung vor- 
genommen wurde, die Genauigkeit, mit der hiebei die Umrisse der Formen, 
auch der kleinsten, wie der Buchstaben u. s. w. respectirt sind, ist be- 
wundernswerth. _ 
Alle Theile des Kelches sind vorzüglich erhalten. Die Stellen, wo 
die Vergoldung durch den Gebrauch abgenützt ist und das Kupfer zu 
Tage tritt, befinden sich außen nur dort, wo die vom Stichel unberührte 
Mantelüäche der Berührung zunächst ausgesetzt ist. 
Doch ist nicht Alles an dem Kelche ursprünglich. Gewisse Theile 
der silbernen Einlagen gingen im Laufe der Zeit verloren. Es waren dies 
solche, deren Befestigung nach der eben geschilderten Art vorgenommen, 
durch den Einfluss besonderer ungünstiger Umstände von vornherein 
keine große Dauer versprechen konnte. Ein Stück eines der Medaillons, 
einige der litzenartigen Säume, insbesondere die zur Begleitung der 
Schriftzone verwendeten, die auf dem conischen Fuße schwer halten 
mochten, endlich das Stück Silber zwischen den Buchstaben l und L des 
Namens Tassilo. Das Fehlende ist sorgfältig ergänzt. Die neueren Silber- 
theile sind durch gleichfalls silberne Nieten an dem Kelche befestigt, der 
zu diesem Zwecke vielfach durchbohrt werden musste. Sie entbehren des 
Niellos. An Stelle der niellirten Zeichnung bilden ziemlich dünne, gravirte 
Linien die nothdürftige Ergänzung des Vorhandenen. 
Noch mag einer Meinung Ausdruck verlieben sein, obwohl ihr die 
pietätvolle Art der nachgewiesenen Restaurirung widersprechend entgegen 
zu stehen scheint. Aus allgemeinen stilistischen Gründen kann mit großer 
Sicherheit angenommen werden, dass sich am Rande der Cuppa ursprüng- 
lich eine silberne Litze von der Breite der übrigen vorhandenen hinzog. 
Die unmittelbar am Rande befindlichen geschnittenen Ornamentfüllungen 
entbehren nach oben des Abschlusses. Von jeher geneigt, die frühere
	        

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